Römische Badekultur

Die Idee der Einrichtung eines warmen Bades stammte aus Griechenland, und erreichte schließlich am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. auch Rom. Obwohl die Badeanstalten griechischen Ursprungs waren ( thermos - warm), hatten die römischen mit den griechischen nicht mehr viel gemeinsam. Die gewaltige Größe und die Verbindung mit anderen sportlichen oder kulturellen Möglichkeiten war allein eine römische Erfindung.

Vorher stand das Baden eher im Hintergrund. Die Vorfahren wuschen sich zwar regelmäßig Beine und Arme, aber gebadet wurde nur an Markttagen, also alle neun Tage. In einigen Privathäusern gab es kleine Baderäume, die aber oft ungemütlich, kalt und zugig waren. Das Wasser war nach Regenfällen trübe und schlammig. An Festtagen standen die Gesindebäder auf großen Landgütern für ein Vollbad zur Verfügung, doch das war eben nur zu besonderen Anlässen, denn es war immer noch die Meinung stark verbreitet, dass "zu häufiger Gebrauch der Körperkraft schadet." In den Sommermonaten bot sich auch die Gelegenheit, in Flüssen oder anderen Gewässern zu baden.

Diese eher ablehnende Haltung gegenüber des Badens änderte sich im späten 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. In dieser Zeit wurde es Brauch, extra Badehäuser zu errichten, womit der Grundstein für die berühmte prunkvolle Badekultur gesetzt war.

Durch den Anfangserfolg der ersten öffentlichen Bäder, investierten viele Unternehmer in Mietbäder. Die Thermen, die Eigentum des Staates waren, wurden verpachtet.

Die Eintrittspreise waren zwar nicht überall einheitlich (meist ein Viertel-As), doch insgesamt sehr niedrig gehalten. Während Kinder oft freien Eintritt erhielten, mussten die Frauen oft mehr bezahlen als Männer. Die geringen Preise ermöglichten auch Menschen aus niederen Schichten einen Besuch in den Badeanstalten, wodurch die Popularität der Thermen zunahm. Baden war kein Sonntagsvergnügen mehr, sondern eine alltägliche Beschäftigung. Diese führte zu einer Nachfrage nach weiteren Thermen, doch gleichzeitig war damit auch ein immer wachsender Konkurrenzdruck verbunden. So wurde die Bauweise der Thermen immer aufwendiger, die Ausschmückungen immer kost-barer.

Zur Grundausstattung eines Bades gehörten ein Auskleide-raum und alle Arten von Bädern : Kalt- (frigidarium), Warm- (tepidarium) und Heiß-bad (caldarium), Dampf- oder Schwitzbad (laconicum), das einer heutigen Sauna entsprach. Weiterhin bildete ein Bad ein Zentrum der Freizeitgestaltung und Kommunikation. So fand man um die Wasserbecken herum Trainings-, Spiel- ( besonders beliebt war das Ballspiel), Gymnastik- und Massage-plätze. Gleichzeitig waren um die großen Badehäuser herum große Gärten und Parkflächen angelegt, wo man in Ruhe spazieren gehen konnte, wenn man nicht gerade auf der Terasse ein Sonnenbad nahm. Bei Hunger und Durst ließ man sich in einer der zahlreichen Gaststätten und Tabernen nieder, wo die Händler und Köche laut ihre Ware anpriesen. Für die geistigen Bedürfnisse standen Museen und Bibliotheken zur Verfügung.

Auch Dirnen boten ihre ganz persönlichen Dienste an. So waren in einem Bad die drei wichtigsten Dinge des Lebens "Bäder, Weine, Liebe" zu finden.

Die Thermen waren prunkvoll ausgeschmückt. Die Fußböden und Wände waren mit bunten, bilderreichen Mosaiken geschmückt, die Decken mit Goldschmuck verziert. Neben Säulen aus Granit und Badewannen aus Basalt und Porphyr, konnte man sogar heute ganz berühmte Kunstwerke in den Thermen wiederfinden ( z. B. in den Trajansthermen: Die Laokoongruppe).

Beheizt wurden die Anstalten mit Holzkohle. Ein Ofen strahlte Wärme aus, die warme Luft wurde durch ein großes Rohr in die Hohlräume der Fußböden gepresst.

Die Badeanstalten dienten zwar nicht nur der Gesundheitsvorsorge, sondern wurden vielmehr zum Freizeitvergnügen genutzt, trotzdem wurde dort auch viel Körperpflege betrieben. Utensilien, wie Öl, Reinigungsmittel, Haarwasser und Handtücher brachte man genauso selbst mit wie auch eigene Diener, wenn man es sich leisten konnte. Diese bewachten die Gardrobe, massierten den Herren und halfen bei Körperpflege und Haarentfernung. Auch ausgiebiges Salben, Friesieren und Schminken nach dem Baden gehörten dazu. Wer keinen eigenen Diener hatte, konnte sich auch einen Bader oder Masseur mieten.

Die Öffnungszeiten waren üblicherweise überall gleich. Die Thermen waren meist nur nachmittags geöffnet, gelegentlich nachts oder vormittags. Zuerst wurden schon mittags die Tore geöffnet, später , seit Hadrian, erst am frühen Nachmittag ( 8. Stunde). Bei Einbruch der Dunkelheit wurden sie geschlossen. Die typische Badezeit eines Römers lag zwischen der Mittagspause und der Hauptmahlzeit.

Männer und Frauen waren normalerweise voneinander getrennt. Es war oft ein Baukomplex, aber dann gab es verschiedene Eingänge. Bei Raummangel wurden unterschiedliche Badezeiten festgelegt. Oft gab es dann Frauenbadetage und Männerbadetage. In Rom waren für die Frauen kleinere Badeanstalten (balnae) vorgesehen. Als Trajan herrschte, durften sie vermutlich auch in die großen Thermen gehen, doch das gemeinsame Baden wurde als unsittlich angesehen, vor allem weil üblicherweise keine Badekleidung getragen wurde, und führte zum Skandal. Zur Zeit Hadrians wurde ein gemeinsames Badeverbot aufgestellt, wodurch sich das Prinzip der verschiedenen Badezeiten immer mehr durchsetzte. Die anderen Räume und Plätze (Sportplätze, Parkanlagen, Museen usw.) durften aber von beiden Geschlechtern gleichzeitig genutzt werden.

Wohlhabende Bürger oder Politiker stifteten immer öfter Bäder oder übernahmen ein Jahr lang die Eintrittsgelder. Das bewirkte nicht nur eine immer wachsende Beliebtheit des Badens, sondern steigerte auch enorm das Ansehen der Sponsoren. Ein Beispiel dafür war Agrippa, der 33 v. Chr. den Eintritt aller 170 Badeanstalten in Rom übernahm und auch später bei seinen eigenen gebauten Thermen auf Eintrittspreise verzichtete. Das brachte ihm viel Beliebtheit im ganzen Volk. Auch Kaiser, wie Nero, Titus, Trajan oder Caracalla, ließen Thermen errichten, wobei jeder versuchte, seinen Vorgänger an Größe, Schönheit und Kostbarkeit zu übertreffen.

Kaiser Titus und Hadrian ließen es sich nicht nehmen, auch zusammen mit dem einfachen Volk in ihren Thermen zu baden, um noch mehr Ansehen zu gewinnen.

Gerade weil die Bäder für jedermann offen standen, hatten Wohlhabende (z. B. Claudius Etruscus) ihre eigenen "swimming-pools". Diese hatten allerdings fast das gleiche Ausmaß wie die öffentlichen Thermen. Die Einrichtungen und Ausschmückungen waren oft noch teurer und künstlerisch wertvoller.

Quellen

- Greiner, Wilfried u. Pelzl, Bernhard: ROM - Ruinen erzählen;
Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag Ges.m.b.H und Co.KG 1998
- Nack und Wägner: ROM - Land und Volk der alten Römer;
Wien: Verlag Carl Ueberreuter 1956 und 1976
- Stützer, Herbert A.: Das antike Rom; 7. Auflage (1987);
Köln: DuMont Buchverlag 1979
- Weeber, Karl. W.: Alltag im alten Rom;
Düsseldorf, Zürich: Artemis & Winkler Verlag 1998 (Neuausg.)

Kathrin Niemeyer 18.10.2000