Das Pantheon
Der als Kuppelbau unter Kaiser Hadrian zwischen 118 / 125 und 128 n. Chr. auf dem Marsfeld errichtete Tempel beeindruckt insbesondere durch seine neuartig konstruierte, gewaltige und dabei freitragende Kuppel. Um diesen Ziegelrundbau, dessen Höhe und Durchmesser rund 45 m. beträgt, wurde ein traditioneller Porticus (Säulengang), mit acht Säulen gesetzt. Die außergewöhnliche Mauerstärke der Rundmauer von etwa 6,5 m. bedingte, daß der Einbau von Fenstern unmöglich wurde und man dementsprechend an den höchsten Punkt der Kuppel eine immerhin 9 m. breite Öffnung belassen mußte, um Sonnenlicht und Luft einzulassen.
Ursprünglich war es als besonderes Heiligtum errichtet worden, in dem die Gesamtheit aller römischen Götter verehrt wurde. Im Gegensatz zur bisherigen römischen Religionstradition hatten die Gläubigen Zutritt zum Pantheon, während in der Vergangenheit nur den Priestern dies gestattet war.
Im Jahre 609 wurde das Pantheon in eine christliche Kirche umfunktioniert. In der Folgezeit diente es auch als Begräbnisstätte für berühmte Persönlichkeiten, u.a. Raffael, B. Peruzzi und Mitgliedern des italienischen Königshauses.
Die Konstruktion des Pantheon gehorcht dabei astronomischen Gesetzmäßigkeiten: das zylindrische Strahlenbündel, das durch die Öffnung in die Kuppel eindringt, fällt im GebäudeInnern auf veränderliche Punkte je nach Tages und Jahreszeit. Um zwölf Uhr mittags deckt sich z.B. die vertikale Achse der von der Sonne auf der Tempelwand gezeichneten Lichtellipse mit der Achse des Portals, - verschiebt sich jedoch in der Vertikalen im Wechsel der Jahreszeiten. Zur Wintersonnenwende, wenn die Sonne sehr tief am Himmel steht, fällt der Lichtfleck in die Leibung der Kuppel; zur Sommersonnenwende, zur Mittagszeit, befindet er sich ganz auf dem Fußboden.
Besonders die Datierung der sog. Äquinoktien (= Tag und Nachtgleiche) spielte in der Antike bei vielen Völkern eine sowohl große mystische als auch praktische Rolle, nämlich die der Überprüfung des eigenen Kalenders. So befindet sich der Lichtstrahl im Pantheon zur Tagundnachtgleiche über dem Portal und der untere Rand deckt sich mit der oberen Kante des Architravs, der zur Anzeige dieses Phänomens gedacht ist.
Olaf Reißmann 11.10.2000