Der tägliche Dienst und das Privatleben eines römischen Soldaten
1. Einleitung
"Rom hat seine Herrschaft über die bekannte Welt des Altertums mit Hilfe seiner einzigartigen Heeresorganisation aufgebaut. [...] Der von Kindheit an im Römer geweckte militärische Geist und die im dafür günstigsten Alter im Feldlager erhaltene Unterweisung in der Kriegskunst erzogen ihn zum tüchtigsten Soldaten seiner Zeit, der zwar gelegentlich in Schlachten besiegt wurde, aber niemals einen Krieg verlor." (aus: "Rom - Land und Volk der alten Römer", S.161)
Wie aber sah der tägliche Dienst eines solchen römischen Soldaten aus, hatte er ein Privatleben und wie gestaltete er es?
2. Der tägliche Dienst eines angehenden römischen Soldaten
Wer sich für die Armee beworben hatte oder eingezogen worden war, wurde vier Monate lang gedrillt; erst nach Ende dieser vier Monate durfte er sich als Soldat bezeichnen. Wer diesen Anforderungen nicht gewachsen war, wurde auch nicht in die Legion aufgenommen.
In diesen vier Monaten wurde den Soldaten u.a. beigebracht, wie sie im Gleichschritt zu marschieren hatten. Es standen Übungsmärsche auf der Tagesordnung, wobei die Soldaten darauf gedrillt wurden, 30 km in fünf Stunden zu schaffen. Wenn diese Vorgabe erreicht war, wurden wiederum 30 km marschiert, dieses mal mit Waffen und Gepäck. Abends kamen die angehenden Soldaten ohne Kräfte in ihr Quartier zurück, mit Blasen an den Füßen, wunden Schultern, und sie waren froh sich hinlegen und schlafen zu dürfen, bevor der Drill nach ein paar Stunden Schlaf wieder von neuem begann.
Tag für Tag wurden sie auf die Weise geschliffen, bis sie am Ende 24 Meilen (36 km) in fünf Stunden zurücklegten. Doch auch das reichte noch nicht aus, als Legionäre wurden sie erst akzeptiert, wenn sie den gesamten Marsch auch in voller Ausrüstung (mit Rüstung, Waffen, Kochgeschirr, Palisadenstangen, Schanzwerkzeug und Proviant für mehrere Tage; das Ganze über 30 kg schwer) schafften. Auf so einem Marsch mussten sie für die Nacht immer ein Lager mit Graben und Wall anlegen.
Zur Rekrutenausbildung gehörten auch Ausbildungen im Laufen, im Schwimmen, im Springen und im Reiten. Ebenfalls wurde der Umgang mit den Waffen geübt. Beim Waffentraining wurde (vorerst) mit Holzschwertern trainiert. Diejenigen, die im Training nicht gut genug waren, bekamen anstatt der normalen Mahlzeit gräßlich schmeckende Gerste zu essen und noch mehr Training aufgedrückt, bis die zuständigen Offiziere mit den Leistungen zufrieden waren. Erst dann wurde mit richtigen Schwertern (mit Schutzkappe) gekämpft.
Wenn die vier Monate Ausbildung beendet waren, begann für den Soldaten der routinemäßige Lagerdienst. Die regelmäßigen Übungsmärsche, das Waffentraining und der gesamte Drill hörten zwar auch hier nicht auf, dennoch kam es den Soldaten nach der Ausbildungsphase sehr viel leichter vor, dieses zu absolvieren.
3. Der tägliche Dienst eines römischen Soldaten
a) in Friedenszeiten
In den Zeiten, in denen nicht gekämpft wurde, lebten die Soldaten meist in festen Lagern, die nicht jeden Tag erneuert werden mussten, sondern ihren Standort beibehielten.
Jeden Morgen bei Tagesanbruch mussten sich die Soldaten beim Zenturio melden und wurden dann für den Tag zu bestimmten Arbeiten eingeteilt, die von ihnen erledigt werden mussten. Hauptsächlich bestanden diese Aufgaben aus dem Erledigen des "Wachdienstes" oder es handelte sich um Arbeiten wie das Reinigen der Bäder oder der Aborte. Auch standen Aufgaben wie die Straßen zu patrouillieren oder den Ordnungsdienst zu leisten auf dem Programm. Welcher Soldat zu welcher Arbeit eingeteilt war, wurde täglich auf dem Dienstplan vermerkt. Am beliebtesten bei den Soldaten war die Arbeit des Straßenbaus, die sich zusammensetzte aus Arbeiten im Steinbruch, dem Ausheben des Straßenbettes und der Herstellung von Unter- (Straßenfundament) und Oberbau (Straßenpflasterung).
Jeder Legionär, der neu zu der römischen Armee kam, träumte von der Betätigung als Spezialist, bei der man völlig ausgelastet und dennoch frei von den unerfreulichen Arbeitsdiensten war. Solche Spezialisten waren z.B. der Waffenmeister, der Metzger, der Sanitäter und der Pferdezureiter.
Die täglichen Arbeitsdienste der Soldaten richteten sich auch nach den Jahreszeiten. Im Frühjahr z.B. mussten Reparaturen an Brücken und Holzstegen vorgenommen werden, damit das Heer im Kriegszustand ohne Probleme weiter ins Feindesland vordringen konnte.
b) im Kriegszustand
Wenn sich die römische Armee im Feindesland bzw. auf dem Marsch befand, setzte sich ihr täglicher Dienst etwas anders zusammen: Schon früh im Morgengrauen marschierten die Hilfsgruppen des Heeres voraus, um die Legionen abzuschirmen und die fremde Umgebung nach Hinterhalten abzusuchen.
Die Legionäre standen bei Tagesanbruch auf und frühstückten, bis das erste von insgesamt drei Trompetensignalen ertönte. Dieses erste Signal gab ihnen die Anweisung, sich ihre Rüstungen anzuziehen und ihre Helmriemen unterm Kinn zu verschnüren. Beim nächsten Trompetenstoß trugen sie ihre gesamte Ausrüstung nach draußen und sie luden ihre Zelte und alles, was sie nicht selber tragen konnten, auf Maultiere. Dann formierten sich die Zenturien (Heeresabteilungen von 100 Mann). Das dritte und letzte Trompetensignal trieb die Säumigen zur Eile an, bis auch sie sich in den Zenturien einordneten und die Zenturien unter der Führung der jeweiligen Zenturionen losmarschieren konnten, um fremdes Land zu erobern.
Im Feindesland galt bei allem, was getan werden musste, höchste Sicherheitsvorkehrung. So sicherte der römische Soldat seine nächtliche Rast immer durch das Anlegen eines Lagers, das ihn vor Übergriffen schützte, ihn das Gefühl eines verhältnismäßig sicheren Ruheplatzes und zugleich ein Stück Heimat im Feindesland verschaffte.
Es wurden Mannschaften vorausgeschickt, die einen Lagerplatz (möglichst auf einer großen Fläche, am Abhang eines Hügels, in der Nähe von Wasser und Holz) auswählten und durch Lanzen absteckten. Nach dem Eintreffen des restlichen Heeres stellten sich einige Legionen in Gefechtsformation vor die durch Lanzen markierte Verteidigungslinie, um die Legionäre zu schützen, die hinter ihnen das Lager errichteten.
Zuerst fällten die Legionäre alle Bäume und rodeten alles Gebüsch, was sich auf dem Platz ihres neuen Lagers befand. Dann hoben sie einen ca. 3,5 m breiten und 2,5 m tiefen Graben aus und häuften die ausgehobene Erde hinter dem Graben zu einem Wall an. Dieses bildete dann die vordere Verteidigungsanlage des Lagers. Als das Lager so rundherum befestigt war, gingen die Soldaten daran, die Zelte in Reihen aufzuschlagen.
Bei der Aufstellung und der Befestigung des Lagers hatte jeder Soldat seine zugewiesene Aufgabe und kannte diese von vornherein, so dass kein Streit entstehen konnte, wer welche Aufgabe zu erledigen sollte.
Als das gesamte Lager errichtet war, wurde der Wachtdienst eingeteilt, einmal für die Nacht (von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang) und einmal für den Tag. In der Nacht gab es vier Wachen zu je drei Stunden. Außerdem war die Nachtwache stärker bemannt als der Tageswachtdienst. Wer bei der Nachtwache bei einem Kontrollgang eines Offiziers schlafend angetroffen wurde, der wurde am folgenden Tag von den anderen Soldaten verprügelt und gesteinigt (was oft zum Tode führte), da er das Leben seiner Kameraden durch Unaufmerksamkeit gefährdet hatte.
4. Das Privatleben eines römischen Soldaten
Ein römischer Soldat führte eigentlich kein richtiges Privatleben. Dieses liegt vor allem daran, dass er zum einen nur wenig Freizeit hatte, (in Friedenszeiten schon mehr als in Kriegszeiten), und sich zum anderen das Lager sehr weit entfernt von seiner ursprünglichen Heimat befand. Auch das bestehende Eheverbot trug zu dem geringen Privatleben mit bei.
Und dennoch versuchte sich der Soldat so weit wie möglich ein Privatleben zu schaffen. Das Heiratsverbot wurde oft mißachtet bzw. umgangen, so dass der Soldat mit einer Frau in einer meist eheähnlichen Partnerschaft zusammenlebte und von ihr auch Kinder bekam.
Des weiteren verlieh der Soldat seinen Sold und die Geldgeschenke, die er vom Kaiser erhielt, für einen nicht geringen Zinssatz, so dass er sich durch solche Kreditgeschäfte noch weiteres Geld verdiente.
In seiner Freizeit versuchte der Soldat die Freuden des Stadtlebens ins Lager zu holen. So gab es in der Nähe der Lager oder manchmal sogar in den Lagern selbst die traditionellen römischen Bäder, mit verschiedenen Räumen für kalte, heiße und lauwarme Bäder, sowie Massageräume. Diese Bäder dienten den Soldaten als Treffpunkt.
Außerdem gehörten zu allen festen Lagern ein Amphitheater, welches sich innerhalb oder in der umliegenden Nähe befand.
Insgesamt gesehen musste der römische Soldat in der Armee einen harten Dienst absolvieren und fand trotz dessen und trotz seines mangelhaften Privatlebens, das er in der Armee führen musste, nur wenig Anerkennung bei der Zivilbevölkerung.
Quellenangaben:
Nack u. Wägner, "ROM Land und Volk der alten Römer", Verlag Ueberreuter, 1956, Wien
Connolly, "Die römische Armee", Tessloff Verlag, 1976/91, Nürnberg
Connolly, "Die römische Armee Tiberius Claudius Maximus, Soldat im Dienste Trajans", Tessloff Verlag, 1996, Nürnberg
Lewis, "Das alte Rom", Tessloff Verlag, 1974, Hamburg
Melanie Flohr (07.10.2000)