Vesta und Vestalinnen

 

  

Vesta, altitalische Göttin des Herdfeuers, Beschützerin der Familie und eine der wichtigsten Göttinnen des Staatskultes, hatte im alten Rom einen Tempel mit ewig brennendem Feuer. Sie war die älteste der Töchter von Rhea und Kronos und somit auch eine Schwester von Zeus. Obwohl sie Neptunus und Apollo als Gatten haben konnte, blieb sie unvermählt. Sie selber war jungfräulich.

Ihre Priesterinnen, die Vestalinnen, unterhielten das Feuer im Tempel. Auch sie waren ebenfalls für die Dauer ihres 30-jährigen Dienstes zur Jungfräulichkeit verpflichtet. Sie trugen eine besondere Tracht, die aus einem großen, weißen Tuch und Stirnbinden bestand und durften sich nicht parfümieren oder schminken.

 

Der Herd war seit Urzeiten Mittelpunkt und Kultstätte des Hauses. Ursprünglich war das heilige Feuer das Herdfeuer im Hause des Königs, dessen Töchter sich um die Erhaltung der Flamme kümmern mussten. Später wurden sie durch die vestalischen Jungfrauen und ihre Göttin Vesta (= griech. Hestia) ersetzt. Im 6. Jh. v. Chr. wurde der Einfluss der Etrusker stärker, so dass auch die Römer deren Vorstellung von personifizierten Gottheiten übernahmen. Erst ab dieser Zeit war die Darstellung von Göttern in Bildern und Statuen möglich. Vesta blieb jedoch die einzige nicht personifizierte Gottheit, denn sie wurde bereits durch das heilige Herdfeuer dargestellt.

 

 

Gesellschaft und Wohnstätte

 

Da die Vestalinnen in der Gesellschaft hoch angesehen waren, hatten sie ein eigenes Fest. Das Vestalia Fest, welches an jedem 9. Juni eines Jahres stattfand.

 

Ihre Stätte war der Vestatempel auf  dem Forum Romanum in Rom. Dort brannte Tag und Nacht das heilige Feuer, das von sechs Jungfrauen, den Vestalinnen, unterhalten wurde, die in einem, dem Tempel benachbartem Haus (Atrium Vestae) wohnten.

Dieses lag nicht weitab vom Tempel der Göttin, gleich neben der Regia, dem offiziellen Wohnsitz des Pontifex Maximus. Das mehrere Stockwerke hohe Gebäude war mit größtem Komfort ausgestattet und ist heute noch in Rom auf dem Forum Romanum zu sehen.

Die Marmorfußböden und Wandverkleidungen sind teilweise noch erkennbar. In der Mitte des Hauses kann man den einst sehr schönen Innenhof betreten. Das Wasserbecken wird von den, heute teilweise kopflosen, Statuen der ranghöchsten Vestalinen umsäumt.

Die ranghöchste Vestalin wurde Virgines Vestales Maximae genannt.

Der Vestatempel war ein Rundbau mit Metallgittern zwischen den 20 Säulen in Nachahmung der runden Hütten des italischen Urhauses mit Wänden aus Flechtwerk.

Der Tempelinnenraum hatte ein Durchmesser von 15 Metern, in dem sich ein Vorratsraum befand. Dort wurden geheimnisvolle Kultgegenstände, die niemand betrachten durfte und die das Fortbestehen des Menschengeschlechtes gewährleisten sollten, aufbewahrt.

Die heute noch sichtbaren Überreste des Vestalinnenhauses stammen aus der Zeit des Kaisers Septimius Severus (193- 211 n. Chr.)

1930 wurde aus den Resten des alten Marmorgebäudes der kleine, runde Vestatempel, ein korinthischer Peripteros, rekonstruiert. Er bildet zusammen mit den Haus der Vestalinnen und der Regia den wichtigsten Teil des Forums.

Das konisch ansteigende Dach ließ durch eine Öffnung den Rauch des Herdfeuers abziehen.

Am 1. März löschten die Bürger Roms in ihren Wohnungen das Feuer und holten sich ein  Neues von der heiligen Flamme aus dem Vestatempel. Wo das heilige Feuer genau brannte ist unbekannt, vermutlich jedoch außerhalb des Tempels, da es von weitem sichtbar gewesen sein soll.

 

Das Dienstverhältnis

 

Ihr Dienst dauerte 30 Jahre: 10 Jahre Ausbildung, 10 Jahre Ausübung und 10 Jahre Unterricht, den die jungen Vestalinnen erhielten. Es war die Aufgabe des Pontifex  Maximus (höchster geistlicher Würdenträger im alten Rom) die Vestalinnen auszuwählen, wenn sie noch recht jung, zwischen 6 und 10 Jahren, waren und ihre Eltern noch lebten. Zuerst entstammten sie alle mehr oder weniger dem Patriziat. Spätestens in der augusteischen Zeit    ( 63 v. Chr.- 14 n. Chr. ) gab es kaum noch Kandidatinnen für das Amt einer Vestalin; nur wenige Väter wollten ihre Töchter hierfür zur Verfügung stellen. Kaiser Augustus begegnete dieser Schwierigkeit dadurch, dass er auch Töchter von Freigelassenen für das Amt zuließ.

Auch wenn ihr Vater nicht mehr ihr Vormund war, wurde sie dadurch freilich nicht völlig unabhängig, da sie der Gewalt des Oberpriesters, Pontifex Maximus, unterstand. Überdies war der Pontifex Maximus nicht Tutor der Mädchen; Vestalinnen waren vielmehr von der Vormundschaft ausgenommen. Die Vestalin verlor das Recht auf Erbfolge ohne Testament in der Familie, aus der sie stammte. Ihr Leben war dem Dienst der Göttern geweiht und so war es folgerichtig, dass im Fall ihres Todes ohne Testament das Vermögen zu kultischen Zwecken in Staatsbesitz überführt wurde.

Die Vestalinnen mussten unvermählt bleiben. Verletzte eine Priesterin ihr Keusch­heits­ge­lübde, so wurde sie lebendig begraben oder von einem Berg gestürzt, da  man das Blut einer Vestalin nicht vergießen durfte.

Ging das Feuer in Unachtsamkeit aus, galt das als Staatsunglück. Die schuldige Vestalin wurde vom Pontifex Maximus zu Tode gegeißelt, das Feuer erneuerte man durch Reiben eines Holzscheites auf einem Brett.

Das hohe Ansehen dieser Frauen ließ jeden ehrerbietig zur Seite treten. Selbst der Konsul wich vom Wege. Ein Verbrecher, der eine Vestalin auf dem Gang zur Hinrichtung traf, war begnadigt, manch anderer wurde auf ihre Fürbitte hin freigesprochen.

Wer unter die Sänfte trat, wenn sie sich austragen ließen, wurde mit der Todesstrafe belegt.

 

Nach Beendigung ihrer Dienstzeit durften sie ins bürgerliche Leben zurückkehren. Doch nur von wenigen wurde dieser Schritt unternommen, da sie durch eine Eheschließung oder durch die Bestimmung eines Vormundes ihre Privilegien verloren hätten. In der Regel blieben sie bis zum Tode in dieser hohen Stellung und behielten den Respekt und die Ehrfurcht  der Öffentlichkeit bei und hatten somit weiterhin die Möglichkeit Macht auszuüben.

 

 

 

 

Insa Drollinger, Lea Mund, Kerstin Habenicht Juni 2002