Die Ara Pacis

Bildquelle

Inhalt

Einführung: die Propaganda des Augustus: *

Die politisch – ideologische Idee der Ara Pacis: *

Das Erscheinungsbild der Ara Pacis: *

Verwendete Literatur: *

Olaf Reißmann

Jg. 12 / Sk

Leistungskurs Latein 1999 / 2001

 

Einführung: die Propaganda des Augustus:

Im Rückblick erweist sich das saeculum augustum als eine folgenreiche Wende nicht nur für alle Erscheinungsformen von Kunst und Architektur, sondern für das gesamte System der visuellen Kommunikation – und nicht zuletzt bedeutete sie natürlich auch das Ende der politischen und gesellschaftlichen Tradition der res publica.

Bedenkt man die tiefe Abneigung und den ausgeprägten Argwohn der Römer gegen alles, was mit Monarchie in Verbindung gebracht werden konnte, ist es um so erstaunlicher, dass es Augustus gelang, das Prinzipat erfolgreich zu etablieren. Dies ist neben seinen politischen und militärischen Erfolgen (Frieden...) wohl in erster Linie auf die durchdachte und intensive Propaganda zurückzuführen. Augustus beschäftigte eine Vielzahl von z.T. hochkarätigen Schriftstellern, Bildhauern und Architekten, die die augusteische Idee den Menschen einbleuen sollten. Die Verwendung der politischen Bildersprache in allen Bereichen des öffentlichen Lebens stellte Augustus nicht nur als Friedensstifter und Begründer der sog. Goldenen Zeitalters dar, sondern vermittelte den Menschen durch das Vorbild des Kaisers auch Maßstäbe und Grundsätze für das eigene Leben. Auch wenn uns heute wahrscheinlich befremdlich erscheint, so konnte doch durch diese Propaganda ganz entscheidend die Herrschaft des Augustus legitimiert bzw. seine Gegner diffamiert werden. Konkret untermauerte u.a. Vergil in seiner Aeneis den Machtanspruch von Augustus durch den Nachweis von dessen Abstammung von der Sagengestalt Aeneas und der Göttin Venus.

 

 

Die politisch – ideologische Idee der Ara Pacis:

Die Ara Pacis ist ihrer Bestimmung nach ein politisch – religiöses Denkmal: sie erinnert an die Ausrufung des augusteischen Friedens im Jahr 9 v. Chr., und besonders ihr Reliefschmuck steht ganz im Dienst der augusteischen Idee. Augustus wollte nach gewonnenem Bürgerkrieg nicht nur ein neues goldenes Zeitalter einleiten, sondern auch dessen Friedenskaiser sein. Auch wenn es geradezu paradox erscheint, dass sich der nach heutigen Maßstäben am Bürgerkrieg mitverantwortliche Kriegsverbrecher Octavian als Friedensstifter feiern lässt, zeigt dies doch die Effizienz der Kampagne. So war es daher ganz in seinem Sinne, wenn der Senat – gleichsam ihm zu Ehren – eine ara Pacis Augustae, also einen Altar der erhabenen Friedensgöttin, stiftete. Der Kaiser selbst schrieb darüber in seinem berühmten Rechenschaftsbericht, den res gestae: "Als ich aus Spanien und Gallien unter dem Konsulat des Tiberius Nero und Publius Quintilius erfolgreich nach Rom zurückkam, beschloss der Senat, für meine Rückkehr einen Altar der Pax Augusta auf dem Marsfeld zu weihen, und gebot, dass auf ihm die Magistrate, Priester und Vestalinnen alljährlich ein Opfer darbringen sollten."

Typus, Dekor, Standort und städtebauliche Einbindung der Ara Pacis belegen den hochoffiziellen, politisch – ideologischen Charakter des Monuments. Metaphorisch vermitteln Bilder das Dogma vom "goldenen Zeitalter". Die pietas als alte republikanische Tugend und der möglicherweise auf etruskisch – italienische Traditionen zurückgreifende Bautypus werden zugleich wirkungsvoll mit den de facto die Republik usurpierenden, dabei die offizielle Götterwelt genealogisch mit einverleibenden dynastischen Ambitionen des Augustus verschmolzen. Eine fast als Familiendenkmal gefasste, wie gefroren wirkende große Prozession bedient sich dabei eines an die griechische Klassik orientierenden, als vorbildlich empfundenen Stils, der zugleich geeignet war, eben diese durchaus konkreten politischen Ansprüche des Augustus in eine irreale, raumzeitlich unkonkrete Sphäre zu transferieren und sie so zu verklären.

Abschließend kann man festhalten, dass die Ara Pacis ein Denkmal verkörpert, welches das komplexe und vielschichtige Selbstverständnis des augusteischen Staates mitsamt seinen Begründungszusammenhängen in umfassender Weise zum Ausdruck bringt. Unter diesem Aspekt muss auch das nun beschriebene Erscheinungsbild der Ara Pacis gesehen werden.

 

 

Das Erscheinungsbild der Ara Pacis:

Die Ara Pacis bestand ursprünglich aus einem Altar und einem Umfassungsbau. Sie war so angelegt, dass sie mit ihrer Front hin zum Marsfeld stand, während die Rückseite zur höher gelegenen Via Flamina gewandt war. Vorder- und Rückseite des Umfassungsbaus waren durch große Mitteltüren verschlossen. Auf Grund des unterschiedlichen Niveaus musste an der Frontseite eine Freitreppe zur Vordertür angelegt werden, über die man hinwegschritt, wenn man das Heiligtum betrat. Auch der Altar ruhte auf einem Unterbau aus Stufen, die dann zur Höhe des Altars hin fortgeführt wurden, so dass der Opfernde innerhalb des Umfassungsbaus acht Stufen hinaufsteigen musste, ehe er am Altartisch stand.

Der Altar ist rechts und links von Wangen eingefasst, deren oberen Abschluss jeweils ein Aufsatz bildet, der aus einem inneren und äußeren Fries zwischen Greifen und einer Krönung aus Voluten besteht. Die Friese waren mit Reliefs geschmückt, von denen die an der linken Altarseite noch relativ gut erhalten sind. Der innere, dem Altar zugewandte Fries zeigt eine Prozession von sechs Vestalinnen, die von Liktoren begleitet wird; der äußere einen Zug, zu dem ein Priester, Liktoren, Opferdiener und Jünglinge gehören. Mit diesen Bildern soll der sich alle Jahre wiederholende Prozessionszug dargestellt werden.

Die Umfassungsmauern sind im Inneren reliefartig verziert, und zwar so, dass den Wänden an den vier Ecken und neben den Portalen Pilaster vorgesetzt sind, zwischen denen sich die Wand jeweils dreigeteilt zeigt. Dabei stellt sich die untere Zone jeweils in zaunartigen Wandstreifen dar, über der sich ein schmaler Palmenfries befindet. In den oberen Feldern aber hängen kunstvolle Fluchtgirlanden, die mit Opferbinden, Stierschädeln also, befestigt sind.

Die Außenseiten des Umfassungsbaus entsprechen hinsichtlich ihrer Gliederung den Innenseiten. Rankengezierte Pilaster bestimmen die Ordnung in den Senkrechten. In der Waagrechten zeigt die untere Zone immer wiederkehrende Ornamente von wunderbarer Schönheit. Aus Akanthuskelchen wachsen Ranken, die sich zu symmetrischen Voluten formen und eine Vielfalt von Blüten hervorbringen. Auf besonders zarten Stengeln stehen Schwäne mit ausgebreiteten Flügeln und manieristisch gewundenen Hälsen.

Der schmale Fries in der Mittelzone besteht aus einem Mäanderband, in der oberen Zone befinden sich dagegen Figurenreliefs, die zu den hervorragendsten der römischen Plastik gehören.

Die Figurenreliefs der Vorder- und Rückwand sind auf Allegorie und Mythos bezogen, die der Längswände stellen ein historisches Ereignis dar: die Prozession bei der Grundsteinlegung im Jahr 13 v. Chr.

Rechts neben der Eingangstür sieht man den bärtigen Aeneas, wie er bedeckten Hauptes an einem ländlichen Altar den Penaten opfert. Jugendliche Camilli bringen eine Opferschale mit Früchten und führen eine Sau heran... Mit diesem Relief soll der Kaiser und seine Familie geehrt werden, denn das julische Haus sah ja den von Venus geborenen Aeneas als seinen Stammvater an. Gefeiert wird aber auch die Stadt Rom selbst, dessen sagenhafter Stadtgründer Aeneas nach römischer Überlieferung war. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass man das Erscheinungsbild der Ara Pacis noch sehr viel detaillierter und umfangreicher hätte beschreiben können – ich meine aber, dass dies für einen Überblick sinnvoller Länge ausreicht.

Über die Meister der Ara – Pacis – Reliefs weiss man nichts. Vermutlich kamen sie aus griechischen Bereichen und waren keine Italiker. In der augusteischen Ära nahm man sich die klassische Kunst Griechenlands zum Vorbild. Bestes Beispiel dafür ist wohl Tellus – Italia, die an Schönheit, Wohlgestalt und Haltung griechischen Figuren nachstrebt. In ganz eigener Weise spiegeln all diese Reliefs staatlich – kaiserliche Repräsentation wider und prägen einen Stil, für den die Bezeichnung "Klassizismus" nicht mehr zutrifft und den man deshalb "augusteisch – römisch" genannt hat.

 

 

Verwendete Literatur:

  1. Giebel, Marion, Vergil, Rowohlt Verlag Reinbeck bei Hamburg, 1986

  2. Zanker, Paul, Augustus und die Macht der Bilder, C.H. Beck Verlag München, 1990

  3. Stützer, Herbert Alexander, Das antike Rom, Du Mont Buchverlag Köln, 1979

  4. Wachmeier, Günther, Rom, Artemis Verlag Zürich und München, 1987

  5. Der neue Pauly

Olaf Reißmann

01.07.2000