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Arbeit und Beruf im römischen Alltag
Außer den schriftlichen Quellen geben archäologische Bodenfunde
Aufschluß über das Leben in der römischen Zeit. So hat man
aus Funden von Produkten der Handwerker Kenntnisse über die Arbeitswelt
gewonnen. Auch Reliefs, Malereien und Mosaiken zeigen Szenen aus der Arbeitswelt.
Von einer kleinen Oberschicht abgesehen, stand Arbeit für jeden
männlichen Römer im Zentrum seines Lebens. Körperliche Arbeit
und manche Berufe, die in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert einnehmen,
hatten in römischer Zeit ein geringeres Ansehen. Als ehrenwerte Arbeit
wurde neben der Tätigkeit des Politikers und des Kriegers traditionell
nur die selbständige Arbeit in der Landwirtschaft angesehen, dies liegt
zum einen darin begründet, daß die Römer als Bauernvolk
angefangen haben, und zum anderen darin, daß die Wertevorstellungen
von der römischen Aristokratie geprägt waren. Die adlige
Führungsschicht investierte ihr Vermögen fast ausschließlich
in Großgrundbesitz, dessen Verwaltung und Beaufsichtigung als die eines
Mannes von Rang würdige Arbeit galt. Deshalb ist es auch kein Zufall,
daß eine Reihe von Abhandlungen im landwirtschaftlichen Bereich
überliefert worden ist (Cato, Varro, Columella). In ihnen wurde die
Tätigkeit in der Landwirtschaft gelobt.
Handwerkliche Berufe hingegen hatten einen geringeren Stellenwert in der
römischen Gesellschaft. Der römische Philosoph Cicero beurteilt
in seinem Buch ("De officiis") das Handwerk folgendermaßen:"Opificesque
omnes in sordida arte versantur; nec enim quicquam ingenuum habere potest
officina" (Alle Handwerker befinden sich in einer schmutzigen Kunst; die
Werkstatt kann nämlich nicht irgendetwas edles an sich haben.). Die
überwiegende Zahl der römischen Handwerker waren Freigelassene
oder ihre Vorfahren stammten aus dem Sklavenstand. Da ihnen die Möglichkeit
zum Aufstieg in höhere Ämter oder angesehene Positionen normalerweise
versperrt war, bot wirtschaftlicher Erfolg den einzigen Weg, gesellschaftlich
etwas höher zu kommen.
Außer dem Beruf des opifex (Handwerker) bezeichnet Cicero noch die Berufe
des portitor (Zöllner), des fenerator (Geldverleiher), des mercenarius
(Tagelöhner) und den des cetarius (Seefischhändler) als "sordidus"
(schmutzig).
Viele Berufe, besonders die mit handwerklichen Tätigkeiten, waren durch
Berufsvereinigungen (collegia) organisiert. Sie glichen unseren heutigen
Gewerkschaften und sollten den Handel stärken und die beruflichen Interessen
ihrer Mitglieder vertreten.
Die Romanfigur Trimalchio verkörpert den neureichen Freigelassenen.
Nachdem er durch den Handel mit Bedarfsgütern und Luxuswaren reich geworden
ist, legt er sein Geld in Landbesitz an.
Als ehrenhafte Berufe der Mittelschicht nennt Cicero die Berufe, denen "entweder
eine ziemlich große Klugheit anhaftet oder von großem Nutzen sind,
wie Medizin, wie Architektur und die Lehre der anständigen Sachen".
Von allen Erwerbsarten hält auch er die Landwirtschaft für die
ehrenvollste Tätigkeit, denn einen beispielhaften Werdegang beschreibt
er mit den Worten: "..ex alto in portum, ex ipso se portu in agros
possessionesque"(von dem hohen Meer in den Hafen, von dem Hafen selbst auf
die Felder und Besitztümer). Die römische Oberschicht war stolz
darauf, nur von den Einkünften ihrer Ländereien zu leben. Sie
bekleideten im Wechsel zivile und militärische Ämter.
Nicht unerwähnt bleiben darf schließlich der Anteil von Sklaven
an der römischen Arbeitswelt. Sie waren in allen denkbaren
Tätigkeitsbereichen beschäftigt. Es gab zum Beispiel sowohl
Bergwerksarbeiter als auch Ärzte unter ihnen. Freie und unfreie Arbeit
fand in allen Erwerbsbereichen neben- und miteinander statt. Dies trifft
besonders auf den Agrarsektor zu. So beschreibt beispielsweise Columella
in seinem Buch über Landwirtschaft "de agricultura" die Auswahl und
Arbeit eines vicilius (Verwalter), der die Sklaven, die den Großgrundbesitz
bearbeiteten, beaufsichtigte. Es gab aber auch kleine Bauernhöfe, die
von freien Familien bewirtschaftet wurden. Diese starben jedoch in Folge
von Strukturumwandlungen vermehrte Sklavenarbeit und zunehmender
Großgrundbesitz mehr und mehr aus.
Im folgenden stelle ich nun ein paar Berufe aus der römischen Zeit vor:
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Bauer |
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Der weitaus größte Teil der Bevölkerung lebte von der
Landwirtschaft. Zum einen gehören die dazu, die ihren Hof bewirtschafteten,
und zum anderen die Großgrundbesitzer.
Es wurde Getreide, Gemüse (z.B. Erbsen, Linsen, Kohl, Möhren,
Sellerie), Obst (z.B. Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen) und
Gewürzkräuter (z.B. Petersilie, Fenchel, Koriander, Dill) angebaut.
Auch Tierhaltung wurde betrieben. Diese Kenntnisse beweisen Funde von
landwirtschaftlichen Geräten wie Pflugscharen für den Ackerbau,
Wetzsteine, Haken zum Verladen von Heuballen, Spaten, Flach- und Ziehhacken
für den Gartenbau.
Jedoch dadurch, daß der Großgrundbesitz und die Sklaverei immer
mehr zunahmen, starben viele Kleinbauernhöfe aus.
Der Berufszweig der Bauern genoß ein großes Ansehen in der
Gesellschaft. So lobt der römische Politiker und Schriftsteller Marcus
Porcius Cato in der Einleitung zu seinem Werk über den Landbau ("de
agricultura") den Gelderwerb (quaestus) des Bauern mit den Worten "quaestus
stabilissimus"( äußerst verlässlicher Gelderwerb) und
"minime
individiosus"(am wenigsten Neid erregender Gelderwerb).Die Bauern selbst
beschreibt er als "viri fortissimi"(äußerst tapfere Männer)
und "milites strenuissimi"(äußerst tüchtige Soldaten). Auch
folgender Satz unterstreicht nochmals seine Einstellung. "Et virum bonum
quom laudabant, ita laudabant: bonum agricolam bonumque colonem."(Und jedesmal,
wenn sie einen guten Mann lobten, lobten sie ihn folgendermaßen: Sie
nennen ihn einen guten Bauern und einen guten Landwirt.).
| Händler |
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Für kleine handwerkliche Betriebe galt: Was man herstellte, verkaufte
man in der Regel auch selbst. Somit waren die meisten Handwerker auch zugleich
Händler. Ihre Werkstätten waren Produktions- und Verkaufsraum in
einem. Es gab jedoch auch richtige Händler, die Waren bei verschiedenen
Herstellern und in verschiedenen Gebieten ankauften und anderswo wieder
verkauften. Sie mußten Waren auswählen und deren Transport
organisieren. Gehandelt wurde neben den Grundnahrungsmitteln auch nit
Luxusartikeln wie Seide und Parfüm.
"Mercatura autem, si tenuis est, sordida putanda est; sin magna et copiosa,
multa undique apportans multisque sine vanitate inpertiens, non est admodum
vituperanda;"(Der Handel jedoch, falls er klein ist, muß als schmutzig
eingeschätzt werden; wenn er aber groß und umfangreich ist, weil
er vieles von allen Seiten herbeischafft und vielen ohne Unehrlichkeit zuteilt,
darf er nicht sehr getadelt werden.)Dies ist die Meinung Ciceros über
den Handel.
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Metzger |
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In dem Bild ist ein Metzger bei seiner Arbeit zu sehen und dessen Frau oder
eine Kundin, die Aufzeichnungen mit einem Schreibgerät macht.
Aus anderen Reliefs sind uns andere Einzelheiten dieses Berufes bekannt.
Eine Auslage eines Fleischerladens kann beispielsweise folgendermaßen
ausgesehen haben: links auf dem Hauklotz ein Rippenstück , in dem ein
Beil steckt, daneben der Arm einer Schnellwaage, in der Mitte ein Tisch mit
Messern und Fleischstücken, rechts an der Hakenleiste ein Schinken und
ein gespicktes Filet.
Die Tätigkeit eines Metzgers war die Fleischverarbeitung und der Verkauf
der hergestellten Waren. In der Oberschicht galt das Fleischerhandwerk als
wenig angesehen.
| Schuhmacher |
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Sandalen, Schuhe und Stiefel gab es in römischer Zeit in einer Vielzahl
von Formen, und zwar je nach Zweck und Träger: Pantoffeln für die
Dienerinnen im Haus, Sandalen für die Frauen, Stiefel zur Jagd und
geschlossene Schuhe auf Reisen. Die obige Abbildung zeigt ein Paar Sandalen,
die aufgrund von Funden von Lederresten rekonstruiert wurden. Man sieht,
daß die Unterseite mit Nägeln beschlagen ist. Auch Arbeiter trugen
solche rutschfesten Schuhe.
Wie auch das Kleid war der Schuh Statussymbol. Zur Toga gehörte zum
Beispiel der geschlossene calceus. Auch Reichtum konnte mit dem Schuhwerk
demonstriert werden.
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Schiffer |
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Die Bedeutung der Schiffahrt erklärt sich dadurch, das Transporte auf
dem Landweg um ein zigfaches teurer waren als auf Flüssen oder auf dem
Meer. Besonders die Flußschiffahrt hatte eine große Bedeutung,
da aufgrund des geringen Tiefgangs der römischen Schiffe auch die
Nebenflüsse benutzt werden konnten. Die Schiffahrt war im besonderen
nützlich für die Beförderung von Steinmaterial für wichtige
Bauten.
Der Beruf der Schiffer gliederte sich in verschiedene Gruppe. Zum einen gab
es die nauta (Binnenschiffer), die Schiffer und Transportunternehmer in einem
waren, und zum anderen gab es die Hochseeschiffer (navicularii).
Man hat spektakuläre Schiffsfunde gemacht, und zwar Teile von
Schiffsausrüstungen, insbesondere Balkenköpfe, Anker oder Ankerteile.
Unterhaltungskünstler |
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Die bevorzugten Unterhaltungseinrichtungen waren in der römischen Welt
der Circus, das Theater und das Amphitheater. Hier fanden Tierhetzen,
Gladiatorenkämpfe und Seeschlachten statt. Im Theater wurden neben
griechischen und frühen lateinischen Klassikern aktuelle und derbe
Komödien, Possen und Pantomimen aufgeführt. Dabei wurden
grundsätzlich Masken getragen, die bestimmte Rollen darstellten.
Der Gladiator und der Schauspieler konnte zu Ruhm und Geld gelangen.
Gesellschaftlich war er jedoch nicht sehr angesehen. Der Gladiator war unfrei,
und der Schauspieler gehörte der untersten Gesellschaftsschicht an.
Dies wird auch folgende die Worte Ciceros deutlich: "Minimeque artes eae
probandae, quae ministrae sunt voluptatum: ... Adde huc, si placet, unguentarios,
saltatores, totumque ludum talarium." (Und keineswegs sind diejenigen
Künste zu billigen, die Dienerinnen der Lust sind: ... Hierzu hinzu
füge, wenn es gefällt die Salbenhändler, die Tänzer und
das ganze Tanzspiel).
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Lehrer |
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Der größte Teil der Bevölkerung konnte Lesen und Schreiben.
Dies lernten bereits die Kinder in der Schule. Die Schule fand in aller
Öffentlichkeit statt, entweder in dunklen Ladenlokalen, auf den
vielbesuchten Foren oder an der Straßenecke. Schulbildung war Privatsache,
es bestand keine Schulpflicht. Den Unterricht mußten die Eltern selber
finanzieren. Aufgrund dieser Tatsache galten Lehrer als eher schlecht bezahlt.
Der Unterricht begann sehr früh am Morgen, im Winter noch bei Dunkelheit.
Er dauerte bis Mittag und ging nach einer Mittagspause weiter. In der
Elementarschule, welche etwa vier Jahre dauerte im Alter zwischen ungefähr
7 bis 11, wurden Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet. Den
Elementarunterricht erteilte der ludi magister. Im Alter von 11 bis 12 Jahren
war die Schulzeit für die meisten römischen Kinder beendet. Wer
aufgepaßt hatte, konnte danach einigermaßen lesen, schreiben
und rechnen, da Unterrichtsmethoden wie zum Beispiel das Nachschreiben von
Buchstaben eher auf Gründlichkeit und Langsamkeit setzten. Ein weiteres
Hemmnis war, daß meist Schüler unterschiedlichen Alters zusammen
unterrichtet wurden.
Den weiterführenden Unterricht gab der grammaticus , bei dem die
Schüler, nun überwiegend Jungen, lateinische und griechische Texte
lasen.
Die dritte und höchste Stufe des römischen Bildungssystems war
die Ausbildung beim rhetor. Daran nahmen die jungen Männer ab dem
17.Lebensjahr teil. Dort erlernten die Schüler die für die gehobene
gesellschaftliche Stellung fast unabdingbare Redekunst. Diese war wichtig,
um Debatten vor dem Senat zu halten und als Anwalt vor Gericht zu arbeiten.
Der Beruf des Lehrers der unteren beiden Schulstufen war wenig angesehen.
Die staatliche Unterstützung beschränkte sich auf Steuerfreiheit
für Lehrer.
Inga Hafemann
Juli 1999
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