Aristoteles (Leben und Ethik)

Inhalt:

1. Das Leben des Aristoteles

2. Das Museum mit Schriftwerken Aristoteles

3. Seine Ethik

3a. "Der Mensch strebt nach Glück"

Quelle: Kunsthistorisches Museum Wien

1. Das Leben des Aristoteles

Platons größter Schüler und Gegenspieler entstammte einer Familie von Ärzten. Er wurde 384 v. Chr. in Stageira in Thrakien, im Norden des heutigen Griechenland, geboren. Im Alter von 18 Jahren kam er nach Athen und war 20 Jahre lang Schüler der platonischen Akademie. In dieser Zeit, die er dort blieb, entwickelte er eigene philosophische Auffassungen, die von denen des Lehrmeisters immer weiter abwichen. Obwohl Platon Aristoteles mit großer Achtung begegnete, überließ er 347 die Leitung der Akademie seinem Neffen Speusippos. Zwischen dem damals schon in den Sechzigern stehenden Platon und seinem mehr als 40 Jahre jüngeren genialen Schüler scheinen sich, wie beim Aufeinanderprallen zweier Genies zu erwarten, gewisse Gegensätze schon damals gezeigt zu haben.

Nach Platons Tode verließ Aristoteles die Akademie zum einen aufgrund beträchtlicher Differenzen mit Speusippos über das richtige Philosophieverständnis, zum anderen aufgrund des Druckes antimakedonischer Politik. Er lebte darauf eine Zeit lang in Kleinasien am Hofe seines früheren Mitschülers Hermias, der es dort inzwischen zum Diktator gebracht hatte, und heiratete dessen Adoptivtochter, Pythia. Philipp, König von Mazedonien, der Griechenland mit Gewalt einigte, berief ihn dann an seinen Hof, um die Erziehung seines Sohnes Alexanders zu übernehmen, der nachmals der Große genannt wurde.

Acht Jahre lang war Aristoteles in Mazedonien tätig. Als Alexander den Thron bestiegen hatte, kehrte Aristoteles nach Athen zurück und gründete dort 335 seine eigene Schule (Peripatetische Schule), so genannt nach den Wandelgängen( griech. Peripatos) , die den Schauplatz seines Wirkens im Lykeion darstellten. In Athen entfaltete er eine ausgedehnte Forschungs- und Lehrtätigkeit. Wahrscheinlich standen ihm dafür außer seinem eigenen Vermögen reiche Mittel zu Gebote, die er von Alexander erhielt. Aristoteles legte sich eine große Privatbibliothek an, dazu eine naturwissenschaftliche Sammlung mit Pflanzen und Tieren aus der ganzen damals bekannten Welt. Alexander soll seine Gärtner, Jäger und Fischer angewiesen haben, Exemplare aller vorkommenden Pflanzen- und Tierarten an Aristoteles zu senden. Zu Vergleichszwecken ließ Aristoteles auch alle bekannten Staatsverfassungen sammeln, insgesamt 158.

Gegen Ende der zwölf Jahre, die Aristoteles seiner Schule vorstand, geriet er in politische Bedrängnis dadurch, daß auf der einen Seite sich sein Verhältnis zu Alexander trübte, er aber andererseits in Athen als Freund Alexanders und der mazedonischen Politik, die Athen seiner Freiheit beraubt hatte, heftig angefeindet wurde. Nach dem plötzlichen Tode Alexanders im Jahre 323 entlud sich der Haß gegen die mazedonische Partei in Athen in plötzlichem Ausbruch.

Aristoteles wurde, wie Sokrates, der Gotteslosigkeit angeklagt, entzog sich aber dem drohenden Todesurteil durch die Flucht nach Chalkis auf Euböa , um, wie er sagte, den Athenern nicht zum zweiten Male Gelegenheit zu geben, sich gegen die Philosophie zu versündigen. Vereinsamt starb er dort im darauffolgenden Jahre im Alter von 62 Jahren.

2. Das Museum mit Schriftwerken Aristoteles

Das hinterlassene Schriftwerk Aristoteles umfaßt folgende Gebiete:

1. Wissenschaftliche Logik:

Hauptziel der ersten und zweiten Analytik ist der Nachweis von sprachlichen Gesetzmäßigkeiten, die den Ansprüchen wiss. Erkenntnis genügen.

- Urteilsbildung, Schlußfolgerungen, Begriffsbestimmung, viel Grammatik sowie Rhetorik

2. Metaphysik:

Das Seiende wird überprüft auf Stoff, Form, Zweck und Grund.

-hier wird Gott in die Untersuchungen mit einbezogen

Denken und Sein werden als ungleich bezeichnet, sie bringen Widersprüche mit sich.

3. Naturphilosophie:

"Physica" handeln von den Naturdingen, sofern sie – das Prinzip der Bewegung in sich haben-, und erschließen die Ursachen wie die Stoff- und die Formursache.

- Raum, Zeit, Bewegung, Elemente und Zweckmäßigkeit der Natur eingenommen der menschlichen Seele

- enthält Beiträge über Tierkunde und Meteorologie

4. Ethik:

Aristoteles:" Vernünftiges Handeln des Menschen als Tugend ist das Beste und führt zum Glück."( siehe 3/3a)

5. Politik:

Die "Politica" gehen von der Definition des Staates als höchste Form menschlichen Gemeinschaft aus, deren Zweck das Gemeinwohl ist. Aristoteles strebt nicht wie Platon danach einen Idealstaat aufzustellen, sondern untersucht in praktischer Absicht, wie man vorhandene, minder gute Verfassungen verbessern kann.

3. Seine Ethik

Aristoteles führt die Ethica Nicomachea als praktische Wissenschaften ein, deren Ziel nicht Theorie ( Wissen um des Wissens Willen), sondern Praxis ist. Die Ethica Nicomachea untersucht den letzten Zweck, an dem sich das menschliche Handeln ausrichten muß, die Glückseligkeit (eudaimonia). Diese besteht in der Aktualität der Seele gemäß ihrer besten und vollendetsten Tugend. Die ethischen Tugenden, d.h. die Tugenden, die durch Gewöhnung erworben werden, definiert Aristoteles als vorsätzliche Handlung. Der Vorsatz (prophairesis, in der doppelten Bedeutung als Wahl und Entscheidung) ist das Prinzip der Handlung. In ihm wirken Vernunftüberlegung und Streben - sowohl das sinnliche als auch das geistige, der Wille - zusammen. Ihre Übereinstimmung wird als praktische Wahrheit bezeichnet. Die dianoetischen oder Vernunftstugenden sind als praktischen und theoretischen Handlungen Klugheit (phronesis) und Weisheit (sophia), die sich zur philosophischen Ethik und zur Metaphysik ausbilden können. Die Überlegung der Klugheit erwägt die richtigen Mittel zu den Zwecken; die Zwecke werden mithilfe der Vernunft, auch verstanden als intuitives Vermögen, die Prinzipien zu erfassen, erkannt. Wissen über Zwecke und Mittel ist notwendig, da Freiheit von Unwissenheit und von Zwang Bedingungen des Vorsatzes sind. Die Glückseligkeit liegt in der Aktualität der Vernunft-Tugenden, und zwar vollendet in der Tätigkeit, der Weisheit. Die ethischen Tugenden unterliegen dagegen der Forderung des goldenen Mittelwegs, weil ihr Ziel in der Unterwerfung der natürlichen Triebe unter die Vernunft besteht. Der Trieb kann nicht aus dem Seelenleben verbannt werden, da ihm eine unentbehrliche Rolle zukommt; er muß allerdings in Grenzen verwiesen werden, in welchen er sich positiv auswirken kann. Da sich der Trieb nicht sofort der vernünftig festgelegten Form anpassen kann, muß diese Anpassung somit durch Gewöhnung herbeigeführt werden.

3a . "Der Mensch strebt nach Glück"

Der Mensch strebt nach Glück ist eine seiner bekanntesten Aussagen. Dazu gab er die folgende Definition:

" Das oberste dem Menschen erreichbare Gut stellt sich dar als ein Tätigsein der Seele im Sinne der ihr wesenhafter Tüchtigkeit. Gibt es aber mehrere Formen wesenhafter Tüchtigkeit, dann im Sinne der vorzüglichsten und vollendetsten."

Beizufügen ist noch: in einem vollen Menschenleben, denn eine Schwalbe macht auch nicht einen Tag oder eine kleine Zeitspanne den Menschen glücklich und selig.

Nach Aristoteles wird ein glückliches Leben dadurch erreicht, daß die Menschen so handeln, wie es ihrem Menschsein am besten gerecht wird. Ein Mensch z.B., dessen Leidenschaft den Pferden gilt, ist erst dann glücklich, wenn er mit ihnen umgeht und sie anderen vorzeigen kann. Das Glück liegt somit im tätigen Verlauf solcher Vorlieben und der damit verbundenen Erfüllung.

Claudia Schünemann

12.01.00