Buchproduktion

Herkunft, Materialien:

Als erstes entstand die Papyrusrolle. Sie war das am häufigsten vorkommende Schreibmaterial. Außerdem waren noch Einritzungen von Buchstaben in feste Gegenstände, mit Tinte beschriebene Holztäfelchen und Wachstafeln bekannt.

Eine Papyrusrolle war max. 10m lang und 20 bis 25cm hoch. Es wurden breite Ränder frei gelassen, um den Text (z.B. bei Einreißen des Papyrus) zu schützen und ein angenehmes Lesen zu ermöglichen.

Die Papyrusrolle wurde aus den Papyrusstauden hergestellt, die es vornehmlich in Ägypten gab. Deren Stengel wurden aufgeklappt, im rechten Winkel aufeinander gelegt und getrocknet. Danach war das Papyrus schreibbereit.

Hatte ein Buch mehr Text als eine Papyrusrolle, wurde es in mehrere gefasst.

Als Beispiel hierfür kann das Monumentale Geschichtswerk (ab urbe condita libri) von Livius genannt werden, welches 142 Rollen umfaßte.

Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. setzte sich der Codex durch. Diese Form des Buches muß man sich vorstellen, wie ein Schulheft, unseren heutigen Büchern ähnlich. Der Codex brachte ökonomische, praktische und wirtschaftliche Vorteile. Beispielsweise waren die Materialkosten beim Codex 26% geringer als bei der Papyrusrolle, da die Rolle nur einseitig beschreibbar war.

Der Codex wurde aus Schafshaut hergestellt. Diese wurde abgeschabt und mit Bimsstein geglättet.

Abschrift, Buchproduktion/ -publikation :

Die Buchproduktion war Handarbeit. Es gab zwei verschiedene Formen: Das Diktat, bei dem eine Person vorlas und meist mehrere Personen den Text auf Papyrus oder Schafsleder schrieben, außerdem die visuelle Abschrift, bei der der Schreiber einen Teil des Textes las und ihn dann übertrug. Diese Abschriften wurden anfangs von Sklaven gemacht, wurden dann aber mehr und mehr von professionellen Abschreibern übernommen, die meist nach Akkord beschäftigt wurden. Darunter litt oft die Qualität.

Der Autor las sein Werk erst im Freundeskreis vor, dann in der Öffentlichkeit.

Fielen die Lesungen positiv aus, konnte der Autor sein Werk selbst herausbringen, oder einen Verleger damit beauftragen. Dieser kümmerte sich um die Abschriften und den Vertrieb.

Meistens waren die Verleger auch gleichzeitig Buchhändler.

Da es keine Verlags- und Urheberrechte gab, sind keine genauen Verkaufszahlen bekannt.

Der berühmteste Herausgeber war Atticus. Er war ein Freund des Cicero und besaß hochqualifizierte Schreiber und Korrektoren, mit deren Hilfe er qualitativ hochwertige Ausgaben anfertigte.

Buchhandlungen, Bibliotheken:

Einen echten Buchhandel gab es in Rom, erst ab dem 1. Jhdt. v. Chr.

Der Höhepunkt der Bücher wurde zw. dem 1. u. 2. Jhdt. n. Chr. erreicht.

Zu dieser Zeit war der Buchhandel im Römischen Reich so gut organisiert, dass man in allen größeren Städten fast alle Bücher bekommen konnte.

Für neue Bücher wurde vom Buchhändler "Werbung" an den Türpfosten seines Ladens oder auf Tischen vor dem Laden gemacht. Oft wurden Bücher die in Rom keiner haben wollte (sogenannte "Ladenhüter") in die Provinzen gekarrt, um dort vielleicht noch einen Abnehmer zu finden. Buchhandlungen waren ein Treffpunkt Intellektueller, die dort über die Bücher miteinander diskutierten.

In der Spätantike gab es weniger Leute, die Lesen und Schreiben konnten. Außerdem waren die Bücher sehr teuer geworden. Diese Tatsachen verringerten den Buchkonsum, was zu einer Krise im Buchgewerbe führte. Dadurch wurden verstärkt in privaten Haushalten (meist zum Eigenbedarf) Bücher abgeschrieben.

Die erste Bibliothek entstand 39 v. Chr. in Rom. Eine der wichtigsten und größten Bibliotheken jedoch stand nicht in Rom sondern in Alexandria in Ägypten. Diese wurde von Caesar abgebrannt. Oft spendeten die Autoren Bücher an Bibliotheken, um eine höhere Verbreitung dieser zu erreichen

Bücher und Gesellschaft:

Für Käufer unterschiedlicher Bildung gab es verschiedene Arten von Büchern und

unterschiedliche Preise. Für den Handel produzierte Bücher kosteten bis zu 5 Denare. Das ist mehr, als ein Legionär für 10 Tage bekam. Der Preis für antiquarische Bücher stieg in schwindelerregende Höhen. Deswegen gab es auch viele Fälschungen: Durch Wälzen in Mehl wurden schlechte Ausgaben "künstlich" alt gemacht.

Billige Bücher waren meist von schlechter Qualität und meist schon gebraucht.

Viele Leute gingen zum Lesen in Bibliotheken.

Bücher waren beliebte Geschenke z.B. für den Gastgeber von Gastmählern.

Das teuerste Buch war eine Ausgabe des "Zweiten Gesangs der Aeneis", für 20 Golddenare

Wenn man ein Buch las, so las man es meist laut vor. Außerdem war das lesen eines Buches an öffentlichen Plätzen in Rom weit verbreitet.

Leute die Bücher besaßen grenzten sich dadurch sozial ab.

Jan-Christph Gräßer, Tobias Kreye (14.05.2000)