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Viktoria-Luise-Gymnasium Grütterstraße 10-12 31785 Hameln Vorzeichen und Horoskope bei
Sueton Eine Facharbeit
von Julian Horstmann Leistungskurs
Latein Tutor: Herr
Schulz Abgabetermin:
15. 05. 2001 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung...................................................................................... 3 2. Aufzählung der in den Biographien genannten
Vorzeichen...... 4 2.1 Divus Iulius.................................................................................................
4 2.2
Augustus......................................................................................................
5 2.3
Erläuterungen............................................................................................. 8 3. Untersuchung der gestalterischen
Mittel.................................... 8 3.1 Stellung der Vorzeichen innerhalb der
Viten.......................................... 8 3.2 Gestaltung der Vorzeichenbeschreibung innerhalb der
Rubriken........ 9 3.3
Wortwahl...................................................................................................
11 4. Reaktion der Kaiser auf
die Vorzeichen................................... 11 5.
Fazit............................................................................................. 12 6.
Literaturverzeichnis................................................................... 13 1. Einleitung Der römische
Glaube zur Zeit der ersten Kaiser hatte weniger die Form einer Religion wie
beispielsweise später das Christentum, sondern war vielmehr eine Institution,
die fest in der Gesellschaft und Kultur verankert war und das Handeln des
Staates sowie jedes einzelnen bestimmte. Ein fester Bestandteil dieser Kultur
war der Glaube an Vorzeichen, die entweder die Menschen in Form von
Naturerscheinungen oder Träumen heimsuchten oder bewusst durch Auspizien oder
Opferschauen eingeholt wurden. Vorzeichen galten als Nachrichten der Götter;
die Bedeutung, die ihnen beigemessen wurde, ist bereits durch die Fülle an
lateinischen Vokabeln zu erkennen, die sinngemäß mit „Vorzeichen“ zu übersetzen
sind: auspicium, omen, ostentum, praesagium,
prodigium und signum sind
nur einige Beispiele. Die zahlreichen
Erwähnungen in Suetons Kaiserbiographien unterstreichen ebenfalls den
Stellenwert der prodigia, da Sueton
in seinen Werken hauptsächlich die Fakten zusammenstellte, die die Menschen an
den Kaisern besonders interessierten. Doch auch für Sueton selbst waren
Vorzeichen von höchster Bedeutung. Dies wird in einem Brief an Plinius
deutlich, in dem er schreibt, er sei von einem Traum erschreckt worden und
fürchte sich seitdem vor einem Missgeschick im kommenden, nicht näher
erläuterten Prozess. Zwar wurde der Inhalt des Traumes in Plinius’
Antwortschreiben (Epistulae 1,18) nicht zitiert; die Äußerungen reichen jedoch,
um Sueton als sehr abergläubischen Menschen charakterisieren zu können. Im Folgenden
soll nun insbesondere an zwei Beispielen, der Caesar- und Augustusvita,
untersucht werden, welche Gestaltungsmittel bei der Vorzeichenbeschreibung
Suetons verwendet werden, wie die prodigia
im inhaltlichen Kontext der Biographie angeordnet worden sind und inwiefern
eine gestalterische Variation zwischen den einzelnen Biographien vorliegt.
Hierzu werden zunächst sämtliche beschriebenen Vorzeichen, mit Ausnahme einiger
Zeitangaben, unkommentiert in der im Text gegebenen Reihenfolge aufgezählt, um
sie danach stückweise zu untersuchen und zu vergleichen. 2. Aufzählung der in den Biographien genannten
Vorzeichen 2.1 Divus Iulius Gleich im ersten
Kapitel wird Diktator Sulla zitiert, der prophezeit, dass die Adelspartei
untergehen werde, da in Caesar noch mehr als ein Marius stecke (1,3; siehe
diese Arbeit 2.3). Als Caesar das Amt des Quaestors in Südspanien innehält,
vergewaltigt er im Traum seine Mutter. Dies wird von Traumdeutern als Hinweis
auf seine kommende Weltherrschaft interpretiert, da die Mutter die gesamte Erde
darstelle (7,2). Vor dem Übergang
des Rubikon spricht Caesar zu seinen Truppen, die Rückkehr sei jetzt noch eine
Option, nach dem Überqueren der Brücke könnten jedoch nur noch die Waffen
entscheiden (31,2). Daraufhin erscheint eine außergewöhnlich schöne Gestalt,
die auf einer Flöte spielt. Während die Soldaten herbeieilen, um dies zu hören,
entreißt die Erscheinung einem von ihnen die Trompete und bläst das
Angriffssignal. Caesar deutet dies als göttliches Zeichen und ruft zum Kampf
(32). Sueton erwähnt
weiterhin, dass sich Caesar nicht von seinen geplanten Taten abbringen lässt,
selbst wenn ein Opfertier vom Opfertisch flüchtet oder er beim Betreten des
afrikanischen Kontinents hinfällt; im Gegenteil verhöhnt er die Voraussagen des
Schicksals durch offen gezeigte Bekanntschaften mit einem Mitglied von Scipios,
also der feindlichen Familie (59). Einem Pferd,
dessen Füße und Hufe menschenähnlich gewachsen waren, leistet Caesar besondere
Aufmerksamkeit und errichtet später sogar eine Statue, da auch dieses von den
Wahrsagern als ein Zeichen für seine kommende Weltherrschaft gedeutet worden
ist (61). Als später bei einer Opferschau das Herz des Tieres fehlt und die
Weissager daraufhin Unglück verkünden, meint Caesar, dass dieses
Auslegungssache sei und das fehlende Herz nichts mit einem Wunder zu tun habe
(77). Bereits vor
seiner Ermordung wurde Caesar laut Sueton mehrfach durch Omen auf die kommenden
Ereignisse hingewiesen: Einige Monate vor den Iden des März im Jahre 44 wird in
Griechenland das Grabmal des Capys entdeckt, dessen Inschrift besagt, dass nach
dem Fund ein Nachfahre des Iulus „von der Hand seiner Blutsverwandten“ ermordet
werde (81,1). Tage vor seinem Tod erhält Caesar die Nachricht, die beim
Rubikonübergang von ihm freigelassenen Pferde würden Nahrung verweigern und
weinen. Weiterhin rät ihm Zeichendeuter Spurinna, sich vor einer Gefahr an den
Iden des März zu hüten (81,2). Später beschuldigt er diesen einer Fehldeutung,
woraufhin er die Antwort erhält, dass die Iden zwar gekommen, aber noch nicht
vorbei seien (81,4). Trotzdem weitere Opfer ungünstig ausfallen (81,4), betritt
er nach Zögern den Senat, wo er von Senatsmitgliedern ermordet wird. 2.2 Augustus Sueton berichtet
über Augustus, er fürchte sich vor Zwergen, Missgeburten und ähnlich
deformierten Menschen, welche er als bösen Hohn der Natur und schlechte
Vorzeichen ansehen würde (83). Weiterhin sei seine Angst vor Gewittern sehr
groß (90). Diese Angst rühre daher, dass zuvor ein Blitz nur kurz vor seiner
Sänfte eingeschlagen war und einen seiner Sklaven getötet hatte, woraufhin er
dem Gott Iuppiter tonans einen Tempel widmete (29,3). In Philippi
verlässt Augustus aufgrund des Traums eines Freundes trotz Krankheit sein Zelt,
was kurz darauf von den Feinden zerstört wird, die annehmen, dass er sich noch
darin befinde (91,1). Damit wird auf seine eigenen Träume übergeleitet: Ihm
erscheint der kapitolinische Iuppiter und klagt, er besuche den Tempel des
Iuppiter tonans häufiger und locke somit die Verehrer weg. Ebenfalls durch eine
Erscheinung veranlasst begibt sich Augustus an einem bestimmten Tag des Jahres
unters Volk und bettelt dort um Almosen (91,2). Er deutet es als
böses Omen, wenn er sich morgens die Schuhe verkehrt herum anzieht, während
Taufall zu Beginn einer Reise von ihm als positiv empfunden wird (92,1). Eine
Palme, die zwischen den Steinfugen vor seinem Haus wächst, lässt er in den Hof
versetzen und kümmert sich um sie (92,1); eine bereits welke Eiche, die bei
seiner Anwesenheit in Capri wieder ergrünt, erfreut ihn so sehr, dass er die
Insel Aenaria gegen Capri eintauscht. Außerdem vermeidet es Augustus, an
Unglückstagen wichtige Reisen durchzuführen (92,2). Sueton nennt in
94,1 die nun folgende Gliederung der Vorzeichen selbst. Zunächst werden
Ereignisse „prius quam nasceretur“,
also vor seiner Geburt beschrieben: In Velitrae wurde ein Teil der Stadtmauer
vom Blitz getroffen, was ein Zeichen dafür war, dass ein Bürger dieser Stadt
einmal Herrscher werden würde (94,2); Iulius Marathus berichtet von einem nicht
näher erklärten Omen (94,3). Einer Legende nach soll Augustus’ Mutter Atia nach
einer Begegnung mit einer Schlange in ihrem Bett schwanger geworden sein,
woraufhin sie ihr Kind als Sohn des griechischen Sonnengottes Apollo ansah.
Kurz vor der Geburt träumte Atia, ihre Eingeweide würden sich zu den Sternen
begeben und sich über die gesamte Welt verteilen; Augustus’ Vater Octavius
träumte ebenfalls, dass aus Atias Schoß der Strahlenkranz der Sonne aufgehe
(94,4). Das einzige
genannte Vorzeichen „ipso die natali“
(94,1), also am Tage der Geburt, findet im Senat statt: Als Publius Nigidus
Figulus von Augustus’ Geburt erfährt, prophezeit er, dass der Herrscher der
Welt geboren sei (94,5). Folgend werden
die Geschehnisse „deinceps“ (94,1),
nach der Geburt, geschildert: Octavius sieht in der Nacht nach der Geburt
seinen Sohn als Erscheinung in den Gewändern des Iuppiter optimus maximus mit
einer Strahlenkrone in einem mit Lorbeeren geschmückten Wagen (94,6). In der
Zeit, als Augustus das Sprechen lernte, befahl er quakenden Fröschen zu
schweigen. Seitdem sei dort nie wieder ein Frosch gehört worden. Ein Adler
stiehlt ihm kurz darauf im Wald beim Spazierengehen das Brot aus der Hand,
dreht eine Runde, gibt es ihm dann jedoch sofort zurück (94,7). Quintus Catulus
träumt weiterhin, Iuppiter optimus maximus würde aus einer Gruppe von Jungen
einen - Augustus, wie er später feststellt, - auswählen und ihm daraufhin
symbolisch den römischen Staat überreichen; in einem weiteren Traum wurde er
durch den kapitolinischen Iuppiter festgehalten, welcher meinte, er solle als
Bewahrer des Staates aufgezogen werden (94, 8). Als Augustus
bereits ein Mann ist, fällt ihm beim Anlegen der Männertoga der Purpursaum zu
Boden, was als kommende Herrschaft über den Stand, dessen Zeichen der „latus clavus“ ist, gedeutet wird
(94,10). In einem Rückblick wird erzählt, dass Julius Caesar, als er bemerkte,
dass die einzige Palme, die beim Roden eines Waldes als Siegeszeichen
stehengelassen wurde, spontan wächst und sich Vögel darauf niederlassen, zur
Adoption Augustus’ angeregt wurde (94,11). Später fällt Weissager Theogenes bei
Nennung seines Geburtsdatums vor Augustus auf die Knie (94,12); nach der
Ermordung Caesars und der Rückkehr nach Rom wird das Grab von Julia, Caesars
Tochter, vom Blitz getroffen. Im darauffolgenden Jahr erscheinen ihm zwölf
Geier und die Lebern von Opfertieren weisen Durchtrennungen auf, was ein
Glückszeichen sei (95). Damit wechselt
Sueton zu Vorzeichen während des Krieges: Ein Kampf zwischen einem Adler und
drei Raben deutet auf einen kommenden Streit mit den Triumvirn; ein Thessaler
verkündet im Namen Julius Caesars, dass der Krieg ein gutes Ende nehmen werde
(96,1). Bei Perusia deuten die Opfer auf ungünstige Zeichen; als die
Opfergeräte jedoch vom Feind geraubt werden, verlagert sich das Unglück zu den
neuen Besitzern. Weiteres Glück kündigt ein an Land gesprungener Fisch an
(96,2). Auch auf seinen
Tod wurde Augustus mehrere Male hingewiesen: Ein Adler setzt sich auf das „M“ der Tempelinschrift „M. Agrippa“, was „mors“ andeutet (97,1). Durch einen Blitzschlag in die Inschrift „Caesar“ einer seiner Statuen, wird das „C“ zerstört, was seinen Tod in hundert
Tagen ankündigt; das übrige Wort „aesar“,
etruskisch für Gott, zeigt die anschließende Vergöttlichung (97,2). Augustus’
Äußerung, er wolle nicht länger in Rom leben, wird im Nachhinein ebenfalls als prodigium für seinen Tod angesehen (97,3). 2.3 Erläuterungen Sulla bezieht
sich in seinem Ausspruch auf den siebenfachen römischen Konsul Gaius Marius
(157-86 v.Chr.), der der bedeutendste Feldherr seiner Zeit war und unter
anderem gegen den Numiderkönig Jugurtha, die Teutonen und die Kimber Krieg
führte. Er erreichte 88 zwar zunächst die Abberufung des damaligen Konsuls
Sulla, wurde daraufhin jedoch von diesem aus Rom vertrieben und kehrte erst
zurück, als Sulla gegen Mithridates kämpfte. Iuppiter, der
höchste römische Gott, trat in vielen verschiedenen Formen auf, darunter als
Schutzgott von Rom (Iuppiter optimus maximus) und als Donnergott (Iuppiter
tonans), den Augustus aufgrund seiner Furcht vor Gewittern besonders huldigt.
Der Adler, dessen Gestalt Augustus in einigen Visionen annimmt, ist ebenfalls
ein Zeichen des Iuppiter und verkörpert Freiheit und vor allem Herrschaft. 3. Untersuchung der gestalterischen Mittel 3.1 Stellung der Vorzeichen innerhalb der Viten Wie den gesamten
Inhalt seiner Biographien ordnet Sueton auch die prodigia nach sachlichen Gesichtspunkten an. Ähnliche Vorzeichen
werden in Rubriken zusammen-gefasst und an passender Stelle in die Handlung
eingefügt. Typische Ereignisse, zu denen in beinahe jeder Vita
Vorzeichenrubriken zu finden sind, sind Geburt, Herrschaftsantritt, Beginn
eines entscheidenden Feldzuges und Tod des Kaisers. Die Rubriken stehen entweder vor dem durch die omina angekündigten Ereignis, um
Spannung zu erzeugen, den Leser einzustimmen und auch zu beeinflussen -
insbesondere bei Todesdarstellungen; unterbrechen die Handlung, um den
ent-scheidenden Moment hinauszuzögern, oder werden erst am Schluss genannt, um
die Handlung ausklingen zu lassen. Die einzige
Ausnahme stellt hier die Augustusvita dar, bei der sämtliche Vorzeichen mit
drei Ausnahmen in einer Sammelrubrik zusammengefasst wurden. Weiterhin ist bei
diesem Text die sachliche Abgrenzung so streng eingehalten worden wie in keiner
zweiten Biographie, so dass manche Analytiker davon ausgehen, Sueton habe sie
schon vor Divus Iulius verfasst und erst danach sein Schema etwas gelockert. Einzeln genannte
Vorzeichen treten eher selten auf und haben den Zweck, Motivketten einzuleiten
oder zu ergänzen, mit deren Hilfe charakteristische Merkmale des Kaisers über
den gesamten Text in Erinnerung gehalten werden. Ein Beispiel hierfür ist die
sich wiederholende Andeutung Caesars Herrschaft durch Sullas Ausspruch (1,3)
und den Vergewaltigungstraum (7,2). 3.2 Gestaltung der Vorzeichenbeschreibung innerhalb
der Rubriken Die erste
Vorzeichenrubrik der Caesarvita befindet sich in Kapitel 59, in der Caesars
Verhältnis zu den Vorzeichen in drei Beispielen beschrieben wird. In der
Darstellungs-reihenfolge wird ein Klimax ersichtlich, da Caesar die Vorzeichen
zunächst nicht beachtet, daraufhin gutredet („verso ad melius omine“) und schließlich das Schicksal sogar
verhöhnt. Eine weitere Vorzeichenhäufung ist in Kapitel 81 vor Caesars Tod zu
finden. Hier wird die Handlung in genau dem Moment unterbrochen, in dem der
Leser die Beschreibung von Caesars Ermordung durch die Verschwörer erwartet.
Die Spannung erhöht sich nicht nur durch die Verzögerung der Tat, sondern vor
allem aufgrund der hier chronologischen Anordnung, durch die die Vorzeichen den
Iden des März immer näher rücken. In der
Augustusbiographie wurden im Gegensatz zu allen anderen Kaiserviten alle fünf
Vorzeichenrubriken zu einem Komplex zusammengefasst, der sich von Kapitel 90
bis 97 erstreckt. Zunächst befasst sich Sueton mit Augustus’ persönlichem
Aberglauben, wobei die genannten Beispiele im Gegensatz zu Caesar nicht auf
einen Höhepunkt zulaufen, sondern die wohl wichtigste Charaktereigenschaft, die
Angst vor Gewittern, direkt am Anfang genannt wird. Es folgen
detailliertere, dafür unbedeutendere Angaben; erst am Ende wird nochmals eine
elementare Furcht vor Unglückstagen angesprochen. Beginn und Ende heben sich
ebenfalls dadurch hervor, dass sie die einzigen Beispiele sind, die begründet
werden. Die zweite
Rubrik, die in 94,2 beginnt, zählt die Ereignisse um Augustus’ Geburt auf,
wobei der wichtigste Aspekt, die direkte Prophezeiung der Weltherrschaft durch
P. Nigidus, diesmal exakt in der Mitte steht. Dieser wird umrahmt von Träumen
der Eltern und Augustus direkt betreffende Vorzeichen; am Anfang und Ende
werden schließlich prodigia
aufgeführt, die nur indirekt mit ihm zu tun haben. Eine ähnliche
Anordnung ist in der dritten Rubrik mit Augustus im Mannesalter (ab 94,10)
vorhanden, in der als zentrales Vorzeichen die Huldigung des Weissagers steht,
die von undeutlicheren Naturerscheinungen umgeben wird. Ein weiteres Omen,
dessen Wichtigkeit nicht sofort offensichtlich ist, sondern erst durch Suetons
Kommentar klar wird, nämlich das Erscheinen der zwölf Geier und der Vergleich
zu Romulus („duodecim se vultures ut
Romulo“, Kapitel 95), steht hier jedoch nicht in der Mitte, sondern erst
als vorletztes Zeichen in der Rubrik. Der eher kurze
Abschnitt, den Sueton den Vorzeichen bei militärischen Aktionen widmet (Kapitel
96), lässt keine klare Gliederung erkennen; lediglich steht das ungewöhnlichste
Vorzeichen, das Wechseln des Unglücks zum Feind (96,2), in der Mitte. Die fünfte und
letzte Rubrik stellt die Ankündigungen von Augustus’ Tod dar. Die drei
Vorzeichen scheinen chronologisch geordnet worden zu sein, um danach sanft
wieder auf die eigentliche Todesdarstellung überzuleiten, die mit der
Schifffahrt als Folge von Augustus’ Ausspruch, Rom verlassen zu wollen (97,3),
beginnt. Im Gegensatz zur Caesarvita unterbricht die Vorzeichensammlung die
Handlung also nicht, sondern beginnt als Ergänzung der charakterlichen
Eigenschaften, die an das zuvor genannte Kulturverständnis Augustus’ (Kapitel
84 - 89) anschließt, und endet als selbst handlungstragendes Element. 3.3 Wortwahl Sueton verwendet
in seinen Biographien für ähnliche Vorzeichen meist die gleichen Ausdrücke. Ein
Beispiel stellt das häufige Auftreten der Wendung „videre per quietem“ dar, die die Beschreibung von
Traumerscheinungen einleitet. Diese Phrase ist zu finden in Divus Iulius 7,2 („visus erat per quietem“); 81,3 („sibi visus est per quietem“); Tiberius
74,1 („viderat per quietem“);
Claudius 37,1 („vidisse se per quietem“);
Nero 7,3 („visum sibi per quietem“);
46,2 („vidit per quietem“) und
Vespasian 25,1 („vidisse quondam per
quietem“). Durch diese Wiederholungen werden Verbindungen zwischen den
einzelnen Viten geknüpft und auf ähnliche Ereignisse bei anderen Kaisern
verwiesen. Die Darstellung
der allgemeinen Entwicklung eines Kaisers wird ebenfalls durch geschickte
Wortwahl unterstützt, wie in Kapitel 94 der Augustusvita, in der die Hauptfigur
zunächst „regem“ genannt wird (94,3),
die Bezeichnung dann auf „dominum“
(94,5) gesteigert wird und schließlich durch „tutelam“ (94,8) angedeutet mit tutor
endet. 4. Reaktion der Kaiser auf die Vorzeichen Julius Caesar
hat laut Suetons Beschreibung ein gespaltenes Verhältnis zu Vorzeichen. Wenn
sie ihm Glück versprechen oder seinen Plänen entgegenkommen, akzeptiert er sie
gerne (Kapitel 32/61); sollten sie jedoch Pech vorhersagen, finden sie keine
Beachtung oder werden sogar verspottet (z.B. Kapitel 59). Durch die Missachtung
der göttlichen Warnungen kommt Caesar letztendlich dann auch ums Leben. Augustus
hingegen wird als vorzeichenfürchtiger Mensch beschrieben, der bereits in Blitz
und Donner Unglück kommen sieht. Sueton nennt auch bei ihm Beispiele für
frevelhaftes Verhalten, beispielsweise der Ausruf, er werde auch gegen den
Willen Neptuns den Sieg davontragen (16,2); diese sind im Vergleich zur
Caesarvita jedoch seltener und in viel schwächerer Ausprägung vorhanden. Durch diese
Darstellung wird der Charakter eines Kaisers nicht in ein einfaches
Gut/Schlecht-Schema eingeordnet, sondern Sueton erreicht es, die einzelnen
Facetten darzustellen. Die erwünschte Wirkung bei seiner Zielgruppe, dem
gläubigen Volk, wird Sueton dennoch nicht verfehlt haben, da das geschaffene
Bild von Julius Caesar eindeutig schlechter abschneidet. 5. Fazit Inwiefern bei
der Überlieferung der Vorzeichen übertrieben oder sogar erfunden wurde, lässt
sich heutzutage natürlich nicht mehr nachvollziehen. Sicher scheint jedoch,
dass Sueton in seinen Quellen, auf die er in seinem Amt ab epistulis zugreifen konnte - darunter auch die Schriften von
Caesar und Augustus selbst - eine weitaus größere Anzahl an
Vorzeichenbeschreibungen zur Auswahl hatte, als die, die er tatsächlich in
seine Biographien übernommen hat. Diese wurden sorgfältig angeordnet, um dem
Leser den Charakter der Person zu verdeutlichen, die Handlung innerhalb eines
sachlichen Abschnittes an Schlüsselmomenten zu unterstreichen und den Leser
durch Steigerung der Vorzeichen Spannung fühlen zu lassen. Dem heutigen
Leser erscheint der Wahrheitsgehalt der meisten der genannten prodigia zwar mehr als fragwürdig, da in
der heutigen Kultur außer dem meist scherzhaft erwähnten „schwarze Katze von
links“ der Aberglaube ausgestorben ist; der Leser zu Suetons Zeit wird diese
jedoch ohne zu zögern akzeptiert haben. Und exakt dies - Unterhaltung ohne den
Anspruch, historisch korrekt zu sein, zu produzieren, war Suetons Intention. 6. Literaturverzeichnis Primärliteratur: C. Plinius
Caecilius Secundus: Sämtliche Briefe. Eingeleitet und übersetzt von André Lambert. Zürich 1956. C. Suetonius
Tranquillus: De uita Caesarum. Herausgegeben vom Maximilian Ihm. Leipzig 1908. C. Suetonius
Tranquillus: Leben der Caesaren. Eingeleitet und übersetzt von André Lambert. Zürich 1955. C. Suetonius
Tranquillus: De vita Caesarum Liber I lateinisch/deutsch. Herausgegeben und übersetzt von
Dietmar Schmitz. Stuttgart 1999. C. Suetonius
Tranquillus: De vita Caesarum Liber VI lateinisch/deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Marion
Giebel. Stuttgart 1997 (1978). Lexika: Das Bertelsmann
Lexikon. Erweiterte Auflage, Gütersloh 21988. Stowasser. Neu
bearbeitete und erweiterte Auflage, München 1994. Sekundärliteratur: GUGEL, Helmut:
Studien zur biographischen Technik Suetons. Wien u.a. 1977. HARTMANN, J: Das
Geschichtsbuch. Frankfurt am Main 1955. MOUCHOVÁ,
Bohumila: Studie zu Kaiserbiographien Suetons. Prag 1968. MOMMSEN,
Theodor: Römische Geschichte. Berlin 101907. Hiermit erkläre
ich, die Facharbeit nur unter Verwendung der oben angeführten Quellen
angefertigt zu haben.
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