Viktoria-Luise-Gymnasium

Grütterstraße 10-12

31785 Hameln

 

 

Vorzeichen und Horoskope bei Sueton

 

 

Eine Facharbeit von Julian Horstmann

Leistungskurs Latein

Tutor: Herr Schulz

Abgabetermin: 15. 05. 2001

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung......................................................................................      3

2. Aufzählung der in den Biographien genannten Vorzeichen......         4

     2.1 Divus Iulius................................................................................................. 4

     2.2 Augustus...................................................................................................... 5

     2.3 Erläuterungen............................................................................................. 8

3. Untersuchung der gestalterischen Mittel.................................... 8

     3.1 Stellung der Vorzeichen innerhalb der Viten.......................................... 8

     3.2 Gestaltung der Vorzeichenbeschreibung innerhalb der Rubriken........ 9

     3.3 Wortwahl................................................................................................... 11

4. Reaktion der Kaiser auf die Vorzeichen...................................                   11

5. Fazit.............................................................................................             12

6. Literaturverzeichnis...................................................................                13

 

 

  

1. Einleitung

Der römische Glaube zur Zeit der ersten Kaiser hatte weniger die Form einer Religion wie beispielsweise später das Christentum, sondern war vielmehr eine Institution, die fest in der Gesellschaft und Kultur verankert war und das Handeln des Staates sowie jedes einzelnen bestimmte. Ein fester Bestandteil dieser Kultur war der Glaube an Vorzeichen, die entweder die Menschen in Form von Naturerscheinungen oder Träumen heimsuchten oder bewusst durch Auspizien oder Opferschauen eingeholt wurden. Vorzeichen galten als Nachrichten der Götter; die Bedeutung, die ihnen beigemessen wurde, ist bereits durch die Fülle an lateinischen Vokabeln zu erkennen, die sinngemäß mit „Vorzeichen“ zu übersetzen sind: auspicium, omen, ostentum,  praesagium,  prodigium und signum sind nur einige Beispiele.

Die zahlreichen Erwähnungen in Suetons Kaiserbiographien unterstreichen ebenfalls den Stellenwert der prodigia, da Sueton in seinen Werken hauptsächlich die Fakten zusammenstellte, die die Menschen an den Kaisern besonders interessierten. Doch auch für Sueton selbst waren Vorzeichen von höchster Bedeutung. Dies wird in einem Brief an Plinius deutlich, in dem er schreibt, er sei von einem Traum erschreckt worden und fürchte sich seitdem vor einem Missgeschick im kommenden, nicht näher erläuterten Prozess. Zwar wurde der Inhalt des Traumes in Plinius’ Antwortschreiben (Epistulae 1,18) nicht zitiert; die Äußerungen reichen jedoch, um Sueton als sehr abergläubischen Menschen charakterisieren zu können.

Im Folgenden soll nun insbesondere an zwei Beispielen, der Caesar- und Augustusvita, untersucht werden, welche Gestaltungsmittel bei der Vorzeichenbeschreibung Suetons verwendet werden, wie die prodigia im inhaltlichen Kontext der Biographie angeordnet worden sind und inwiefern eine gestalterische Variation zwischen den einzelnen Biographien vorliegt. Hierzu werden zunächst sämtliche beschriebenen Vorzeichen, mit Ausnahme einiger Zeitangaben, unkommentiert in der im Text gegebenen Reihenfolge aufgezählt, um sie danach stückweise zu untersuchen und zu vergleichen.

 

2. Aufzählung der in den Biographien genannten Vorzeichen

2.1 Divus Iulius

Gleich im ersten Kapitel wird Diktator Sulla zitiert, der prophezeit, dass die Adelspartei untergehen werde, da in Caesar noch mehr als ein Marius stecke (1,3; siehe diese Arbeit 2.3). Als Caesar das Amt des Quaestors in Südspanien innehält, vergewaltigt er im Traum seine Mutter. Dies wird von Traumdeutern als Hinweis auf seine kommende Weltherrschaft interpretiert, da die Mutter die gesamte Erde darstelle (7,2).

Vor dem Übergang des Rubikon spricht Caesar zu seinen Truppen, die Rückkehr sei jetzt noch eine Option, nach dem Überqueren der Brücke könnten jedoch nur noch die Waffen entscheiden (31,2). Daraufhin erscheint eine außergewöhnlich schöne Gestalt, die auf einer Flöte spielt. Während die Soldaten herbeieilen, um dies zu hören, entreißt die Erscheinung einem von ihnen die Trompete und bläst das Angriffssignal. Caesar deutet dies als göttliches Zeichen und ruft zum Kampf (32).

Sueton erwähnt weiterhin, dass sich Caesar nicht von seinen geplanten Taten abbringen lässt, selbst wenn ein Opfertier vom Opfertisch flüchtet oder er beim Betreten des afrikanischen Kontinents hinfällt; im Gegenteil verhöhnt er die Voraussagen des Schicksals durch offen gezeigte Bekanntschaften mit einem Mitglied von Scipios, also der feindlichen Familie (59).

Einem Pferd, dessen Füße und Hufe menschenähnlich gewachsen waren, leistet Caesar besondere Aufmerksamkeit und errichtet später sogar eine Statue, da auch dieses von den Wahrsagern als ein Zeichen für seine kommende Weltherrschaft gedeutet worden ist (61). Als später bei einer Opferschau das Herz des Tieres fehlt und die Weissager daraufhin Unglück verkünden, meint Caesar, dass dieses Auslegungssache sei und das fehlende Herz nichts mit einem Wunder zu tun habe (77).

 

 

Bereits vor seiner Ermordung wurde Caesar laut Sueton mehrfach durch Omen auf die kommenden Ereignisse hingewiesen: Einige Monate vor den Iden des März im Jahre 44 wird in Griechenland das Grabmal des Capys entdeckt, dessen Inschrift besagt, dass nach dem Fund ein Nachfahre des Iulus „von der Hand seiner Blutsverwandten“ ermordet werde (81,1). Tage vor seinem Tod erhält Caesar die Nachricht, die beim Rubikonübergang von ihm freigelassenen Pferde würden Nahrung verweigern und weinen. Weiterhin rät ihm Zeichendeuter Spurinna, sich vor einer Gefahr an den Iden des März zu hüten (81,2). Später beschuldigt er diesen einer Fehldeutung, woraufhin er die Antwort erhält, dass die Iden zwar gekommen, aber noch nicht vorbei seien (81,4). Trotzdem weitere Opfer ungünstig ausfallen (81,4), betritt er nach Zögern den Senat, wo er von Senatsmitgliedern ermordet wird.

 

2.2 Augustus

Sueton berichtet über Augustus, er fürchte sich vor Zwergen, Missgeburten und ähnlich deformierten Menschen, welche er als bösen Hohn der Natur und schlechte Vorzeichen ansehen würde (83). Weiterhin sei seine Angst vor Gewittern sehr groß (90). Diese Angst rühre daher, dass zuvor ein Blitz nur kurz vor seiner Sänfte eingeschlagen war und einen seiner Sklaven getötet hatte, woraufhin er dem Gott Iuppiter tonans einen Tempel widmete (29,3).

In Philippi verlässt Augustus aufgrund des Traums eines Freundes trotz Krankheit sein Zelt, was kurz darauf von den Feinden zerstört wird, die annehmen, dass er sich noch darin befinde (91,1). Damit wird auf seine eigenen Träume übergeleitet: Ihm erscheint der kapitolinische Iuppiter und klagt, er besuche den Tempel des Iuppiter tonans häufiger und locke somit die Verehrer weg. Ebenfalls durch eine Erscheinung veranlasst begibt sich Augustus an einem bestimmten Tag des Jahres unters Volk und bettelt dort um Almosen (91,2).

 

Er deutet es als böses Omen, wenn er sich morgens die Schuhe verkehrt herum anzieht, während Taufall zu Beginn einer Reise von ihm als positiv empfunden wird (92,1). Eine Palme, die zwischen den Steinfugen vor seinem Haus wächst, lässt er in den Hof versetzen und kümmert sich um sie (92,1); eine bereits welke Eiche, die bei seiner Anwesenheit in Capri wieder ergrünt, erfreut ihn so sehr, dass er die Insel Aenaria gegen Capri eintauscht. Außerdem vermeidet es Augustus, an Unglückstagen wichtige Reisen durchzuführen (92,2).

Sueton nennt in 94,1 die nun folgende Gliederung der Vorzeichen selbst. Zunächst werden Ereignisse „prius quam nasceretur“, also vor seiner Geburt beschrieben: In Velitrae wurde ein Teil der Stadtmauer vom Blitz getroffen, was ein Zeichen dafür war, dass ein Bürger dieser Stadt einmal Herrscher werden würde (94,2); Iulius Marathus berichtet von einem nicht näher erklärten Omen (94,3). Einer Legende nach soll Augustus’ Mutter Atia nach einer Begegnung mit einer Schlange in ihrem Bett schwanger geworden sein, woraufhin sie ihr Kind als Sohn des griechischen Sonnengottes Apollo ansah. Kurz vor der Geburt träumte Atia, ihre Eingeweide würden sich zu den Sternen begeben und sich über die gesamte Welt verteilen; Augustus’ Vater Octavius träumte ebenfalls, dass aus Atias Schoß der Strahlenkranz der Sonne aufgehe (94,4).

Das einzige genannte Vorzeichen „ipso die natali“ (94,1), also am Tage der Geburt, findet im Senat statt: Als Publius Nigidus Figulus von Augustus’ Geburt erfährt, prophezeit er, dass der Herrscher der Welt geboren sei (94,5).

Folgend werden die Geschehnisse „deinceps“ (94,1), nach der Geburt, geschildert: Octavius sieht in der Nacht nach der Geburt seinen Sohn als Erscheinung in den Gewändern des Iuppiter optimus maximus mit einer Strahlenkrone in einem mit Lorbeeren geschmückten Wagen (94,6). In der Zeit, als Augustus das Sprechen lernte, befahl er quakenden Fröschen zu schweigen. Seitdem sei dort nie wieder ein Frosch gehört worden. Ein Adler stiehlt ihm kurz darauf im Wald beim Spazierengehen das Brot aus der Hand, dreht eine Runde, gibt es ihm dann jedoch sofort zurück (94,7).

Quintus Catulus träumt weiterhin, Iuppiter optimus maximus würde aus einer Gruppe von Jungen einen - Augustus, wie er später feststellt, - auswählen und ihm daraufhin symbolisch den römischen Staat überreichen; in einem weiteren Traum wurde er durch den kapitolinischen Iuppiter festgehalten, welcher meinte, er solle als Bewahrer des Staates aufgezogen werden (94, 8).

Als Augustus bereits ein Mann ist, fällt ihm beim Anlegen der Männertoga der Purpursaum zu Boden, was als kommende Herrschaft über den Stand, dessen Zeichen der „latus clavus“ ist, gedeutet wird (94,10). In einem Rückblick wird erzählt, dass Julius Caesar, als er bemerkte, dass die einzige Palme, die beim Roden eines Waldes als Siegeszeichen stehengelassen wurde, spontan wächst und sich Vögel darauf niederlassen, zur Adoption Augustus’ angeregt wurde (94,11). Später fällt Weissager Theogenes bei Nennung seines Geburtsdatums vor Augustus auf die Knie (94,12); nach der Ermordung Caesars und der Rückkehr nach Rom wird das Grab von Julia, Caesars Tochter, vom Blitz getroffen. Im darauffolgenden Jahr erscheinen ihm zwölf Geier und die Lebern von Opfertieren weisen Durchtrennungen auf, was ein Glückszeichen sei (95).

Damit wechselt Sueton zu Vorzeichen während des Krieges: Ein Kampf zwischen einem Adler und drei Raben deutet auf einen kommenden Streit mit den Triumvirn; ein Thessaler verkündet im Namen Julius Caesars, dass der Krieg ein gutes Ende nehmen werde (96,1). Bei Perusia deuten die Opfer auf ungünstige Zeichen; als die Opfergeräte jedoch vom Feind geraubt werden, verlagert sich das Unglück zu den neuen Besitzern. Weiteres Glück kündigt ein an Land gesprungener Fisch an (96,2).

Auch auf seinen Tod wurde Augustus mehrere Male hingewiesen: Ein Adler setzt sich auf das „M“ der Tempelinschrift „M. Agrippa“, was „mors“ andeutet (97,1). Durch einen Blitzschlag in die Inschrift „Caesar“ einer seiner Statuen, wird das „C“ zerstört, was seinen Tod in hundert Tagen ankündigt; das übrige Wort „aesar“, etruskisch für Gott, zeigt die anschließende Vergöttlichung (97,2). Augustus’ Äußerung, er wolle nicht länger in Rom leben, wird im Nachhinein ebenfalls als prodigium für seinen Tod angesehen (97,3).

2.3 Erläuterungen

Sulla bezieht sich in seinem Ausspruch auf den siebenfachen römischen Konsul Gaius Marius (157-86 v.Chr.), der der bedeutendste Feldherr seiner Zeit war und unter anderem gegen den Numiderkönig Jugurtha, die Teutonen und die Kimber Krieg führte. Er erreichte 88 zwar zunächst die Abberufung des damaligen Konsuls Sulla, wurde daraufhin jedoch von diesem aus Rom vertrieben und kehrte erst zurück, als Sulla gegen Mithridates kämpfte.

Iuppiter, der höchste römische Gott, trat in vielen verschiedenen Formen auf, darunter als Schutzgott von Rom (Iuppiter optimus maximus) und als Donnergott (Iuppiter tonans), den Augustus aufgrund seiner Furcht vor Gewittern besonders huldigt. Der Adler, dessen Gestalt Augustus in einigen Visionen annimmt, ist ebenfalls ein Zeichen des Iuppiter und verkörpert Freiheit und vor allem Herrschaft.

 

3. Untersuchung der gestalterischen Mittel

3.1 Stellung der Vorzeichen innerhalb der Viten

Wie den gesamten Inhalt seiner Biographien ordnet Sueton auch die prodigia nach sachlichen Gesichtspunkten an. Ähnliche Vorzeichen werden in Rubriken zusammen-gefasst und an passender Stelle in die Handlung eingefügt. Typische Ereignisse, zu denen in beinahe jeder Vita Vorzeichenrubriken zu finden sind, sind Geburt, Herrschaftsantritt, Beginn eines entscheidenden Feldzuges und Tod des Kaisers.        Die Rubriken stehen entweder vor dem durch die omina angekündigten Ereignis, um Spannung zu erzeugen, den Leser einzustimmen und auch zu beeinflussen - insbesondere bei Todesdarstellungen; unterbrechen die Handlung, um den ent-scheidenden Moment hinauszuzögern, oder werden erst am Schluss genannt, um die Handlung ausklingen zu lassen. 

 

Die einzige Ausnahme stellt hier die Augustusvita dar, bei der sämtliche Vorzeichen mit drei Ausnahmen in einer Sammelrubrik zusammengefasst wurden. Weiterhin ist bei diesem Text die sachliche Abgrenzung so streng eingehalten worden wie in keiner zweiten Biographie, so dass manche Analytiker davon ausgehen, Sueton habe sie schon vor Divus Iulius verfasst und erst danach sein Schema etwas gelockert.

Einzeln genannte Vorzeichen treten eher selten auf und haben den Zweck, Motivketten einzuleiten oder zu ergänzen, mit deren Hilfe charakteristische Merkmale des Kaisers über den gesamten Text in Erinnerung gehalten werden. Ein Beispiel hierfür ist die sich wiederholende Andeutung Caesars Herrschaft durch Sullas Ausspruch (1,3) und den Vergewaltigungstraum (7,2).

 

3.2 Gestaltung der Vorzeichenbeschreibung innerhalb der Rubriken

Die erste Vorzeichenrubrik der Caesarvita befindet sich in Kapitel 59, in der Caesars Verhältnis zu den Vorzeichen in drei Beispielen beschrieben wird. In der Darstellungs-reihenfolge wird ein Klimax ersichtlich, da Caesar die Vorzeichen zunächst nicht beachtet, daraufhin gutredet („verso ad melius omine“) und schließlich das Schicksal sogar verhöhnt. Eine weitere Vorzeichenhäufung ist in Kapitel 81 vor Caesars Tod zu finden. Hier wird die Handlung in genau dem Moment unterbrochen, in dem der Leser die Beschreibung von Caesars Ermordung durch die Verschwörer erwartet. Die Spannung erhöht sich nicht nur durch die Verzögerung der Tat, sondern vor allem aufgrund der hier chronologischen Anordnung, durch die die Vorzeichen den Iden des März immer näher rücken.

In der Augustusbiographie wurden im Gegensatz zu allen anderen Kaiserviten alle fünf Vorzeichenrubriken zu einem Komplex zusammengefasst, der sich von Kapitel 90 bis 97 erstreckt. Zunächst befasst sich Sueton mit Augustus’ persönlichem Aberglauben, wobei die genannten Beispiele im Gegensatz zu Caesar nicht auf einen Höhepunkt zulaufen, sondern die wohl wichtigste Charaktereigenschaft, die Angst vor Gewittern, direkt am Anfang genannt wird.

Es folgen detailliertere, dafür unbedeutendere Angaben; erst am Ende wird nochmals eine elementare Furcht vor Unglückstagen angesprochen. Beginn und Ende heben sich ebenfalls dadurch hervor, dass sie die einzigen Beispiele sind, die begründet werden.

Die zweite Rubrik, die in 94,2 beginnt, zählt die Ereignisse um Augustus’ Geburt auf, wobei der wichtigste Aspekt, die direkte Prophezeiung der Weltherrschaft durch P. Nigidus, diesmal exakt in der Mitte steht. Dieser wird umrahmt von Träumen der Eltern und Augustus direkt betreffende Vorzeichen; am Anfang und Ende werden schließlich prodigia aufgeführt, die nur indirekt mit ihm zu tun haben.

Eine ähnliche Anordnung ist in der dritten Rubrik mit Augustus im Mannesalter (ab 94,10) vorhanden, in der als zentrales Vorzeichen die Huldigung des Weissagers steht, die von undeutlicheren Naturerscheinungen umgeben wird. Ein weiteres Omen, dessen Wichtigkeit nicht sofort offensichtlich ist, sondern erst durch Suetons Kommentar klar wird, nämlich das Erscheinen der zwölf Geier und der Vergleich zu Romulus („duodecim se vultures ut Romulo“, Kapitel 95), steht hier jedoch nicht in der Mitte, sondern erst als vorletztes Zeichen in der Rubrik.

Der eher kurze Abschnitt, den Sueton den Vorzeichen bei militärischen Aktionen widmet (Kapitel 96), lässt keine klare Gliederung erkennen; lediglich steht das ungewöhnlichste Vorzeichen, das Wechseln des Unglücks zum Feind (96,2), in der Mitte.

Die fünfte und letzte Rubrik stellt die Ankündigungen von Augustus’ Tod dar. Die drei Vorzeichen scheinen chronologisch geordnet worden zu sein, um danach sanft wieder auf die eigentliche Todesdarstellung überzuleiten, die mit der Schifffahrt als Folge von Augustus’ Ausspruch, Rom verlassen zu wollen (97,3), beginnt. Im Gegensatz zur Caesarvita unterbricht die Vorzeichensammlung die Handlung also nicht, sondern beginnt als Ergänzung der charakterlichen Eigenschaften, die an das zuvor genannte Kulturverständnis Augustus’ (Kapitel 84 - 89) anschließt, und endet als selbst handlungstragendes Element.

 

3.3 Wortwahl

Sueton verwendet in seinen Biographien für ähnliche Vorzeichen meist die gleichen Ausdrücke. Ein Beispiel stellt das häufige Auftreten der Wendung „videre per quietem“ dar, die die Beschreibung von Traumerscheinungen einleitet. Diese Phrase ist zu finden in Divus Iulius 7,2 („visus erat per quietem“); 81,3 („sibi visus est per quietem“); Tiberius 74,1 („viderat per quietem“); Claudius 37,1 („vidisse se per quietem“); Nero 7,3 („visum sibi per quietem“); 46,2 („vidit per quietem“) und Vespasian 25,1 („vidisse quondam per quietem“). Durch diese Wiederholungen werden Verbindungen zwischen den einzelnen Viten geknüpft und auf ähnliche Ereignisse bei anderen Kaisern verwiesen.

Die Darstellung der allgemeinen Entwicklung eines Kaisers wird ebenfalls durch geschickte Wortwahl unterstützt, wie in Kapitel 94 der Augustusvita, in der die Hauptfigur zunächst „regem“ genannt wird (94,3), die Bezeichnung dann auf „dominum“ (94,5) gesteigert wird und schließlich durch „tutelam“ (94,8) angedeutet mit tutor endet.

 

4. Reaktion der Kaiser auf die Vorzeichen

Julius Caesar hat laut Suetons Beschreibung ein gespaltenes Verhältnis zu Vorzeichen. Wenn sie ihm Glück versprechen oder seinen Plänen entgegenkommen, akzeptiert er sie gerne (Kapitel 32/61); sollten sie jedoch Pech vorhersagen, finden sie keine Beachtung oder werden sogar verspottet (z.B. Kapitel 59). Durch die Missachtung der göttlichen Warnungen kommt Caesar letztendlich dann auch ums Leben.

Augustus hingegen wird als vorzeichenfürchtiger Mensch beschrieben, der bereits in Blitz und Donner Unglück kommen sieht. Sueton nennt auch bei ihm Beispiele für frevelhaftes Verhalten, beispielsweise der Ausruf, er werde auch gegen den Willen Neptuns den Sieg davontragen (16,2); diese sind im Vergleich zur Caesarvita jedoch seltener und in viel schwächerer Ausprägung vorhanden.

Durch diese Darstellung wird der Charakter eines Kaisers nicht in ein einfaches Gut/Schlecht-Schema eingeordnet, sondern Sueton erreicht es, die einzelnen Facetten darzustellen. Die erwünschte Wirkung bei seiner Zielgruppe, dem gläubigen Volk, wird Sueton dennoch nicht verfehlt haben, da das geschaffene Bild von Julius Caesar eindeutig schlechter abschneidet.

 

5. Fazit

Inwiefern bei der Überlieferung der Vorzeichen übertrieben oder sogar erfunden wurde, lässt sich heutzutage natürlich nicht mehr nachvollziehen. Sicher scheint jedoch, dass Sueton in seinen Quellen, auf die er in seinem Amt ab epistulis zugreifen konnte - darunter auch die Schriften von Caesar und Augustus selbst - eine weitaus größere Anzahl an Vorzeichenbeschreibungen zur Auswahl hatte, als die, die er tatsächlich in seine Biographien übernommen hat. Diese wurden sorgfältig angeordnet, um dem Leser den Charakter der Person zu verdeutlichen, die Handlung innerhalb eines sachlichen Abschnittes an Schlüsselmomenten zu unterstreichen und den Leser durch Steigerung der Vorzeichen Spannung fühlen zu lassen.

Dem heutigen Leser erscheint der Wahrheitsgehalt der meisten der genannten prodigia zwar mehr als fragwürdig, da in der heutigen Kultur außer dem meist scherzhaft erwähnten „schwarze Katze von links“ der Aberglaube ausgestorben ist; der Leser zu Suetons Zeit wird diese jedoch ohne zu zögern akzeptiert haben. Und exakt dies - Unterhaltung ohne den Anspruch, historisch korrekt zu sein, zu produzieren, war Suetons Intention.

 

6. Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

C. Plinius Caecilius Secundus: Sämtliche Briefe. Eingeleitet und übersetzt von      André Lambert. Zürich 1956.

C. Suetonius Tranquillus: De uita Caesarum. Herausgegeben vom Maximilian Ihm. Leipzig 1908.

C. Suetonius Tranquillus: Leben der Caesaren. Eingeleitet und übersetzt von          André Lambert. Zürich 1955.

C. Suetonius Tranquillus: De vita Caesarum Liber I lateinisch/deutsch.           Herausgegeben und übersetzt von Dietmar Schmitz. Stuttgart 1999.

C. Suetonius Tranquillus: De vita Caesarum Liber VI lateinisch/deutsch.     Herausgegeben und übersetzt von Marion Giebel. Stuttgart 1997 (1978).

 

Lexika:

Das Bertelsmann Lexikon. Erweiterte Auflage, Gütersloh 21988.

Stowasser. Neu bearbeitete und erweiterte Auflage, München 1994.

 

Sekundärliteratur:

GUGEL, Helmut: Studien zur biographischen Technik Suetons. Wien u.a. 1977.

HARTMANN, J: Das Geschichtsbuch. Frankfurt am Main 1955.

MOUCHOVÁ, Bohumila: Studie zu Kaiserbiographien Suetons. Prag 1968.

MOMMSEN, Theodor: Römische Geschichte. Berlin 101907.

Hiermit erkläre ich, die Facharbeit nur unter Verwendung der oben angeführten Quellen angefertigt zu haben.