Die Familie

 

Einführung

Die Familie der römischen Kaiser kennzeichnet sich vor allem durch die teilweise sehr verworrenen Adoptionen, die jedoch alle nur ein Ziel verfolgten:
Die Erhaltung der Julisch-Claudischen Dynastie. 
 

Stammbaum der julisch-claudischen Familie

Bei diesem Stammbaum können Sie Informationen über einige Personen einholen: Wenn beim Führen der Maus auf einen Namen statt des Pfeils eine Hand erscheint, öffnet sich durch einfaches Anklicken ein Artikel (z. T. mit Bild) über diese Person.
Außerdem finden Sie am oberen rechten Bildrand des Stammbaums eine Legende, die die diversen Verbindungen zwischen den Personen erläutert. 

Die Kaiser

1. Die Eigentümlichkeit dieses Herrschergeschlechts beginnt schon mit dem ersten römischen Kaiser (Begründer des Prinzipats) Gaius Octavius, ursprünglich ein Octavier. Mittels der Adoption durch seinen Großonkel Caesar (siehe Stammbaum) gehörte er zum Geschlecht der Julier und wurde von da an Octavianus genannt, führte selbst diesen Namen jedoch nie. Nach der Ermordung Caesars 44 vor Chr. nahm er den Namen Gaius Julius Caesar an, betitelte sich seit 40 vor Chr. als Imperator divi filius und erhielt am 16.01.27 vor Chr. den Titel Augustus, unter welchem er heute am bekanntesten ist.

2. Der zweite römische Kaiser Tiberius stammte aus der Familie der Claudier. Die Verbindung der julischen und claudischen Familie kam durch die Hochzeit von Tiberius` Mutter Livia (siehe Stammbaum) mit Kaiser Augustus zustande. Die machtbesessene Livia setzte alles daran, ihren Sohn auf dem Thron zu sehen und ging dabei sogar so weit, den eigentlichen Thronfolger von Augustus, seinen Neffen und gleichzeitigen Schwiegersohn (siehe Stammbaum) Marcellus, vergiften zu lassen und anschließend Tiberius zur Scheidung von Vipsania zu zwingen, damit er Augustus' Tochter und Marcellus' Witwe Julia heiraten konnte. So wurden die Verbindungen zwischen julischem und claudischem Haus noch enger.
Tiberius adoptierte zur Sicherung seiner Nachfolge seinen Neffen Germanicus, den ältesten und beim römischen Volk sehr beliebten Sohn seines Bruders Drusus, doch dieser starb früh unter mysteriösen Umständen in Syrien (siehe Kurzbiographien).

3. So kam es, daß Germanicus' Sohn Gaius, genannt "Caligula" (Soldatenstiefelchen), der dritte römische Kaiser wurde, wobei er durch die eiskalte Ermordung des zeitweilig sehr kranken Tiberius auf den Thron kam (näheres siehe Kurzbiographien).
Er war zunächst, als Sohn des Germanicus, beim römischen Volk sehr beliebt, weil man glaubte, er habe die guten Eigenschaften seines Vaters geerbt. Doch nachdem Caligula das von seinem Vorgänger Tiberius aufgehäufte Geld verbraucht hatte, schlug seine Herrschaft in eine Schreckensherrschaft um: Er ließ zum Beispiel Menschen ermorden, um mit ihrem Erbe die Staatskasse wieder füllen zu können. Schließlich konnte das Volk diesen Kaiser nicht mehr ertragen und er wurde durch eine Bande von Verschwörern mit dem Anführer Cassius umgebracht.

4. Da Caligula weder einen leiblichen noch einen Adoptivsohn hatte und bei seiner Ermordung zudem noch keinen Nachfolger bestimmt hatte, fiel die Wahl der Garde -direkt nach Caligulas Ermordung- mehr zufällig auf seinen Onkel Claudius, den Bruder von Germanicus. Dieser wurde von den Soldaten solange zum Schutz in der Kaserne festgehalten, bis der Senat seiner Ernennung zugestimmt hatte.
So wurde der körperlich behinderte Claudius (er hinkte, stotterte und zuckte mit dem Kopf) im Alter von 50 Jahren zum vierten römischen Kaiser. Als überzeugtem Republikaner war ihm sein Amt zunächst gar nicht recht, aber trotz allem regierte er nach bestem Wissen und Gewissen, wobei ihm seine herrschsüchtige und hinterhältige dritte Ehefrau Messalina (siehe Stammbaum) die Regierungsgeschäfte nahezu gänzlich aus der Hand nahm (siehe Kurzbiographien), bis ihr ständiger Ehebruch auch dem sie über alles liebenden Claudius zu Ohren kam und sie auf Befehl des Narcissus, dem Vertrauten des Kaisers, getötet wurde. Claudius heiratete in vierter Ehe seine Nichte Agrippina Minor (siehe Stammbaum) und zog sich mehr und mehr aus den Regierungsgeschäften zurück. Er verfolgte den Plan, den von ihm verabscheuten Nero, Sohn der Agrippina Minor, zu seinem Nachfolger zu machen, während sein leiblicher Sohn Britannicus im Exil leben sollte und nach dem Ende des Kaiserreichs, das Claudius mit Neros Herrschaft voraussah, die Republik herstellen sollte. Doch Britannicus war ein überzeugter Monarchist, und so kam nach Claudius' Ermordung durch Agrippina Minor deren Sohn, der zuvor noch von Claudius adoptiert worden war, auf den Thron.

5. Wie Claudius vorausgesehen hatte, wurde Lucius Domitius, genannt Nero, als fünfter römischer Kaiser bald zum Volksfeind erklärt. Er ließ alle seine Angehörigen töten, sowohl seine Mutter Agrippina Minor, seine Adoptivgeschwister Antonia, Britannicus und Octavia, wobei letztere sogar seine Frau gewesen war (siehe Stammbaum). Nach vierzehn Jahren Herrschaft tötete er sich schließlich selbst.

6-9. Im Jahr nach Neros Selbstmord gab es in Rom Anarchie und Bürgerkrieg, die julisch-claudische Dynastie war zu Ende gegangen und nacheinander herrschten vier verschiedene Kaiser: Galba, Otho, Aulus Vitellius und Vespasian, der gerecht und milde war und die Dynastie der Flavier begründete.

Diana Glee

17.04.1999