FRISUREN UND MAKE-UP IM ANTIKEN ROM
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Frisuren
Make-up
Fazit
Vorwort
Betrachtet man das Schönheitsbestreben der RömerInnen durch Frisur und Make-up, so wird man überrascht sein, wieviel sich davon in der heutigen Zeit wiederfindet. Sicherlich, Art und besonders die Qualität der Gerätschaften hat sich oftmals geändert, aber viele Grundideen sind bis heute erhalten geblieben. So will ich versuchen, dem geneigten Leser das Thema dieser Abhandlung näherzubringen.
Frisuren
1. Römerinnen
"Überhaupt ist die Frisur von größter Wichtigkeit: mag eine Frau noch so sehr mit Gold, Kleidern, Juwelen und allem erdenklichen Schmuck herausgeputzt daherkommen - wenn sie ihre Haare vernachlässigt, bekommt sie doch ein ,schmucke Person!´ nicht zu hören." So wie Apuleius (Metamorphosen II 9,1-5) dachten viele Römer. Dementsprechend richtete sich die Damenwelt danach.
Schon damals ging man mit der Mode, die häufig von der jeweiligen Kaiserin diktiert wurde. Dabei reichte das Spektrum von offen über toupiert, lockig, gescheitelt bis zum Dutt - alles kam irgendwann vor. Je nach Mode wurden Hilfsmittel gebraucht: Bänder, Haarnetze, Haarnadeln, Perücken, Lockenstäbe... Auch das Haarefärben war nicht unbekannt. Als helfende Hand beim Frisieren hatte jede wohlhabende Frau eine Sklavin als ornatrix (oder auch mehrere), die ihr auch beim Schminken beistand. Allerdings mussten diese jederzeit mit heftigen Wutausbrüchen rechnen, die im günstigsten Fall Schreien bedeuteten, ansonsten auch Malträtieren durch Haarnadeln, schlimmstenfalls Auspeitschen.
Während in der Zeit der Republik ein einfacher, schlichter Dutt modern war und "falsche, aufgeputzte, gewellte und parfümierte Haare" (Plaut. Truc. 286ff.) als Kennzeichen von Huren galten, wurde gerade dieses in der Kaiserzeit beliebt, da es die Männer anzog.
Dazu wurde z.B. ein calamistrum (Brenneisen) benutzt, das einem Lockenstab glich. Es war hohl, aus Eisen und wurde über Feuer erhitzt. Locken waren ein wichtiger Bestandteil der beliebten Hochfrisuren. Weiterhin wurden Nadeln mit eingearbeitet, die gleichzeitig Bestand-teil des Schmuckes waren. So konnten sie aus Holz, Bronze, Silber, Gold oder gar Elfenbein bestehen und Figuren darstellen. Außerdem hielt man die Frisuren mit wollenen Bändern und Haarnetzen zusammen. Perücken und Haarteile nutzte man sowohl zur Unterstützung der (Hoch-)Frisuren als auch zum Verstecken von Haarmakeln. Die beliebten blonden Perücken wurden aus den abgeschnittenen Haaren gefangener Germaninnen hergestellt.
Wollte man keine Perücke aufsetzen, so konnte man bestimmte Haarfarben durch Färben erreichen. Als Färbemittel dienten hierbei besonders Mittel aus Nordeuropa wie Seifenkugeln oder "batavischer Schaum". Rotfärbung erreichte man durch Asche oder Hennapulver, das man aus Ägypten importierte. Selbst blau konnten die Haare gefärbt werden.
Die Haare und natürlich sich selbst unterstützten die Römerinnen durch Parfüm. Dabei waren schwere, würzige und süße Parfüms beliebt. Die Duftstoffe wurden aus dem Mittleren und Fernen Osten eingeführt und waren dementsprechend teuer. Die teuersten konnten bis zu 2 Denaren pro Gramm kosten, was etwa zwei Tageslöhnen eines Arbeiters entsprach. Parfüms enthielten oft folgende Duftstoffe: Arabischer Safran, Myrrhe, Narde, Rosen-, Henna- und Irisöl.
Um ihre Frisuren betrachten zu können, nutzten die Römerinnen Spiegel. Meistens waren sie rund und aus polierter Bronze oder aus Silber. Glasspiegel gab es erst ab dem 1. Jh. n. Chr. In den Spiegel können wir zwar nicht sehen, um die Frisuren der Römerinnen zu sehen. Aber durch zahlreiche Münzen ist ein Teil der Frisuren bis heute erhalten geblieben. Hier eine Auswahl.
A B C D
A: Iulia Domna (um 200 n.Chr.)
B: Iulia Domna (um 215 n.Chr.)
C: Plautilla (um 205 n.Chr.)
D: Iulia Soaernias (um 220 n.Chr.)
Aber nicht nur den Kopfhaaren galt die Aufmerksamkeit der Römerinnen. Das Enthaaren der Beine und unter den Achseln war anscheinend selbstverständlich, wie man bei Ovids Ars amatoria vernehmen kann. Dabei nutzte die römische Frau Pinzetten, mit denen sie die Haare ausrupfte. Daneben gab es auch eine Paste zum Enthaaren, die man durch Auflösen von Harz in Öl gewann.
2. Männer
Wer glaubt, nur die Römerinnen wären eitel gewesen, der irrt. Römer waren oft ebenso gefallsüchtig wie ihre weiblichen Pendants, obwohl sie dadurch häufig belächelt und verspottet wurden.
In der Zeit der Republik war dieses allerdings noch nicht der Fall. Man ließ seine Haare nur Wachsen und einfach auf die Schultern fallen. Erst ca. 300 Jahre v. Chr. kam es in Mode, sich die Haare schneiden zu lassen. So trug man dann schlichte Kurzhaarfrisuren, die nur an Feiertagen besonders gekämmt wurden. Kämme sahen den heutigen sehr ähnlich und funktionierten auch auf die gleiche Weise. Sie wurden tw. aus so einfachem Materialien wie aus Holz hergestellt, tw. aber auch aus Elfenbein.
Unter den Kaisern richtete man sich nach deren Frisuren, wobei die Bandbreite von lang und lockig bis zu fast kahlköpfig reichte. Dabei war auch Haarfärbung für Männer bekannt. Dieses wurde oftmals bei ergrauten Haaren eingesetzt, was sehr verspottet wurde. So spottet Martial in einem seiner Epigramme über einen älteren Herren, der sich plötzlich von einem Schwan in einen Raben verwandelt habe.
Besondere Pflege widmeten die Römer ihren Bärten. Der tonsor (Friseur) war für diese Pflege zuständig. Reiche Männer hatten ihren eigenen tonsor, die restlichen mussten sich mit ton-sores begnügen, die ihre Arbeit in eigenen Geschäften (tw. unter freiem Himmel) erledigten. In den sogenannten tonstrina wurde nicht nur rasiert und frisiert, sondern es blühte auch der Klatsch. Aber nicht nur von sprechenden Stimmen war die tonstrina erfüllt, sondern auch von schreienden, da die Rasiermesser höchst unzulänglich waren und das Gesicht - wenn überhaupt - nur mit Wasser befeuchtet wurde. So musste der Kunde sich auf das Fingerspitzengefühl des tonsor verlassen; oft genug kam es zu Anzeigen, die zu Geldstrafen gegen den tonsor führten. Deshalb war es fast schon sprichwörtlich, wie langsam die Friseure arbeiteten: "Während der Barbier noch die linke Wange des Lupercus bearbeitet, sprießt rechts schon der Bart von neuem."
2.Make-up
1. Frauen
Liest man in Ovids "Ars amatoria" das Kapitel über Make-up, so wird man zunächst erstaunt sein. 1/3 des Textes handelt tatsächlich von Make-up, 2/3 dagegen geben die unbedingte Weisung, den Männern keinesfalls Einblick in die Prozedur des Herrichtens zu geben. Des-halb kann man davon ausgehen, dass Schminken unter den Römerinnen aller Klassen (Ovid richtete sein Werk schließlich gerade nicht nur an die Oberschicht!) weit verbreitet war. Bestimmte Sachen setzt Ovid als bekannt und unabdingbar voraus: Vorbeugen vor Schweißgeruch, das Waschen des Gesichts am Morgen und eine einfache Form der Zahnpflege.
Versetzen wir uns nun in das Schlafzimmer einer reichen Römerin, während sie sich schmin-ken lässt. Bei diesem Vorgang ist sie wieder von ihrer ornatrix umgeben, die ihr schon die Frisur gerichtet und vielleicht die Beine enthaart hat. Nun umgibt sich die Römerin mit zahlreichen Flaschen, Dosen, Töpfen und Tiegeln, in denen verschiedenste Salben, Tinkturen und Pomaden aufbewahrt werden. Werden diese nicht gebraucht, verstaut die ornatrix sie in einem verschlossenen Schrank. Vielleicht denkt die Herrin dabei an Ovids Warnung, den Mann nicht in die Geheimnisse des Schminkens einzuweihen. Auch unterwegs können die Schminkutensilien aufbewahrt werden. Im sogenannten capsa, einem Schminkköfferchen (heutigen entsprechend), kann alles transportiert werden.
Während die Herrin sich im Spiegel betrachtet, bringt eine Sklavin eine Gesichtsmaske herbei. Die ornatrix trägt das Gemisch, das aus 650g Gerste, 650g Erve, 50g Hirschhorn, 12 Narzissenzwiebeln, 50g Zwiebelknollen, Getreidespelt und 500g Honig (zur Bindung) beste-hen kann, auf das Gesicht der Römerin auf. Dieser Vorgang muss - nach Empfehlung Ovids - mehrmals wiederholt werden, damit die Behandelte danach "wird glatter strahlen als ihr Spiegel".
Ist diese Prozedur beendet, beginnt der eigentliche Schminkvorgang. Zunächst wird als Grundlage ein Puder aus Bleiweiß (cerussa) oder Kreide (creta) aufgetragen. Als Halt wird es mit Honig oder einer ähnlichen Substanz vermischt. Dann folgt der Rouge (fucus), das aus Lackmusflechte gewonnen wird. Alternativ kann auch Purpurfarbe (purpurissimum) genutzt werden. Ebenso werden die Lippen geschminkt. Glimmer, der beim Zermahlen von graublau-em Eisenstein anfällt, verleiht der Gesichtshaut mehr Glanz. Asche oder Antimonpuder färben Wimpern und Augenbrauen schwarz. Dann kann die Herrin sich zwischen grünem und blauem Lidschatten entscheiden. Ein Schönheitspflaster auf Wange oder Stirn kann das ganze komplettieren.
Nun betrachtet die (hoffentlich) zufriedene Römerin sich abermals im Spiegel, sucht Schmuck aus und lässt ihn anlegen. Sie kann zwischen Diademen, Ohrringen, Halsbändern/ -ketten, Brustschmuck, Armbändern, Fingerringen und Arm-/ Fussknöchelreifen entscheiden.
So ausgerüstet kann die Römerin es wagen, ihr Schlafzimmer zu verlassen (wie gut, dass sie es - wie die meisten ihrer Gesellschaft - nicht mit ihrem Mann teilt) und sich der Öffentlichkeit zu stellen. Natürlich kostet die morgendliche Toilette viel Zeit und Nerven, aber - damals wie heute -: Wer schön sein will, muss leiden.
2. Männer
Verlassen wir nun die Römerinnen und wenden uns wieder ihren Männern zu. Was sagt Ovid zum Thema Männer und Make-up? "Die vernachlässigte Schönheit passt zu den Männern." Genauso scheint es das Gros der Römer gesehen zu haben. Schminken galt als noch unmännlicher als Frisieren. Die römische Männerwelt dürfte sich auf das Wesentliche be-schränkt haben, also auf Katzenwäsche und Zahnpflege. Zur gründlichen Reinigung ging man ohnehin in eines der öffentlichen Bäder (oder auch in sein eigenes, wenn man sich eines leisten konnte).
Eine Ausnahme von dieser Regel bildeten die männlichen Prostituierten. Wie ihre weiblichen Kollegen traten sie stark geschminkt auf, weshalb auch Römerinnen aufpassen mussten, nicht zu sehr geschminkt zu sein, da man sie ansonsten für Dirnen halten konnte.
Fazit
Ich hoffe, dass dieser Überblick dem Leser gefallen hat. Besonders eines lehrt er uns: Egal in welcher Zeit wir uns befinden, der Mensch hat (fast) immer versucht, seinen Körper auf die ihm mögliche Weise zu pflegen oder auch zu verschönern.
Stefanie Siever
Juli 1999