Ser. Sulpicius Galba

Galba wurde wahrscheinlich am 24.12. des Jahres 3v.Chr bei Tarracina geboren und stammte aus dem altpatrizischen Geschlecht der Sulpicier. Sein Vater C. Sulpicius Galba war 5v. Chr. Suffektkonsul. Seine Mutter war Mummia Achaica. Nach dem Tod seiner Mutter adoptierte ihn die zweite Gemahlin seines Vaters, Livia Ocellina, wodurch er auch deren großen Besitz bei Terracina erbte. Galba nannte sich fortan L. Livius Ocella Ser. Sulpicius Galba. Dadurch kam auch eine nähere Verbindung mit Livia, der Mutter des Tiberius zustande, die ihn in seiner Karriere förderte. Vor seinem ersten ordentlichen Konsulat im Jahre 33 war er ein Jahr Proprätor von Aquitanien. Im Jahr 39 ernannte ihn Caligula zum Oberbefehlshaber des obergermanischen Heeres, wo er den rebellierenden Cornelius Gaetulicus ablöste. Er stellte die Disziplin der Truppe mit harten Maßnahmen wieder her. Claudius nahm ihn als comes mit nach Britannien. Etwa 44-46 war Galba Prokonsul von Afrika, wo er rebellierende Stämme unterdrückte. Für seine Leistungen in Germanien und Afrika erhielt er die ornamenta trumphalia. Im Jahre 60 ernannte Nero ihn zum Statthalter von Hispania Tarraconensis. Bereits im Jahre 67 hatte Galba Kontakt mit der gallischen Aufstandsbewegung des Julius Vindex, im April 68 stellte er sich offen gegen Nero, nachdem ihn Provinzbewohner und Soldaten in Carthago Nova (Cartagena) zum Kaiser ausgerufen hatten. Er selbst nannte sich legatus senatus populique Romani und überließ die Entscheidung dem Senat, der ihn allerdings zunächst auf Neros Veranlassung zum hostis publicus erklärte. Galba warb neue Truppen an, darunter die legio VII Galbiana. Ihm schlossen sich der Statthalter von Lusitania, Salvius Otho, und der Quästor der Baetica, Caecina Alienus, an. Nach der Niederlage und dem Tod des Vindex zog sich Galba zunächst zurück. Erst nach der Nachricht von Neros Tod und seiner Anerkennung durch den Senat am 8.Juni 68 brach er nach Rom auf, übernahm tribunicia potestas und Oberpontifikat.

Zwar wurde er zunächst von allen Heeren und Statthaltern anerkannt, verscherzte sich aber bald durch seinen Konservativismus und Ungeschicklichkeiten alle Sympathien. So beschenkte er Stämme, die unter Vindex rebelliert hatten, mit dem römischen Bürgerrecht und verärgerte so die germanischen Legionen. In Rom verweigerte er den Prätorianern das beim Amtsantritt seit Claudius übliche Geldgeschenk (donativum), eine in Rom eingetroffene Legion ließ er dezimieren, und den Senat verärgerte er durch die Hinrichtung des designierten Konsuls Cingonius Varro und anderer Senatoren. Die Römer machte er sich durch seine Sparsamkeit zu Feinden.

Am 1.Januar 69 trat er mit dem unbeliebten T. Vinius Rufinus seinen zweiten Konsulat an. Als er von der Rebellion des obergermanischen Heeres unter Vitellius am 2. Januar hörte, adoptierte er den L. Calpurnius Piso Licinianus (cos. ord. 27 n.) am 10. Januar, um die Nachfolgefrage zu klären. Darüber war Otho, der sich selber Hoffnungen gemacht hatte, so enttäuscht, daß er sich am 15. Januar von den Prätorianern zum Kaiser ausrufen ließ. Galba wurde von den Soldaten auf dem Forum erschlagen. Er wurde in seinen Gärten an der via Aurelia bestattet. Nachdem er zunächst der damnatio memoriae verfiel, wurde sein Ansehen von Vespasian im Jahre 70 wiederhergestellt.

Hauptquelle:

Der Neue Pauly, s.v. Galba (2), Bd. 4, Sp. 746-747

E. Schulz

02.01.2000