HORAZ
Die geschichtlichen Daten über den Dichter
sind vergleichsweise zahlreich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er in
seine eigenen Werke einige Hinweise und Daten eingefügt hat. Allerdings
sind diese poetischen Angaben nicht unstrittig und dürfen nicht als
wissenschaftlich erwiesen betrachtet werden.
Er selbst beschrieb sich mit 44 Jahren als klein,
wohlbeleibt und früh ergraut. Er war sich auch seines Jähzornes
bewusst, der laut eigener Aussage aber ebenso schnell erlosch, wie er aufloderte.
Vornehmlich bezeichnete sich Horaz als Epikureer,
aber auch Einflüsse der stoischen Philosophie und der kynischen Diatribe
lassen sich in seinen Werken erkennen.
Horaz kam durch seinen Vater in den Genuss einer
vorzüglichen Erziehung. Zuerst in seiner Heimat, dann in Rom, wobei
seine Mitschüler meist aus höchsten Kreisen stammten. Später
lebte er als Student in Athen.
Nach Beendigung seiner Studien wurde er von der
Realität wieder eingeholt: Es herrschte Bürgerkrieg. Iunius Brutus
übertrug Horaz ein für einen Studenten ungewöhnlich hohes
militärisches Kommando als Tribun. Horaz erlitt eine Niederlage und
verlor sein gesamtes väterliches Erbe.
Nun musste er für seinen Lebensunterhalt
arbeiten, er fand eine Beschäftigung bei der Staatskasse. Später
machte er die eher ironisch zu bewertende Aussage, die Armut habe ihn dazu
geführt, Verse zu machen. Dennoch zeigte sich, dass seine ersten Dichtungen
in den 30er Jahren v. Chr. ihn aus der finanziellen Notlage herausführen
sollten: Es kam zu Begegnungen mit Vergilius und Varius, durch sie lernte
er Maecenas und durch diesen Octavian, den späteren
Augustus
kennen.
Von nun an ging es wieder bergauf. Von Maecenas
bekam er ein Landgut geschenkt, aus dem er seinen Lebensunterhalt
bestritt und fand ein neues
Zuhause in der Fremde.
Von Augustus selbst erhielt Horaz das höchst
ehrenvolle Angebot, als Privatsekretär für ihn zu arbeiten, eine
sehr einflussreiche Stellung. Dennoch lehnte der Dichter ab, was für
ihn jedoch keinerlei negative Folgen hatte.
Am 27. November 8 v. Chr. starb Horaz 57-jährig. Er wurde auf Esquilin beerdigt, als Erben bestimmte er Augustus.
Augustus und das Carmen Saeculare
Marleen Pöhler
01.07.2000