Die Herrschaftsideologie des Augustus
Kaiser
Augustus wurde am 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius (Oktavian)
in Rom geboren und herrschte in der Julisch-Claudischen Dynastie von 27 v.
Chr. bis 14 n. Chr.. Am 19. August 14 n. Chr. starb er eines natürlichen
Todes, er erkrankte in diesem Jahr (er war bereits 75 Jahre alt) an der
Diarrhö.Die Zeit seiner Herrschaft ist heute als das "Augusteische
Zeitalter" bekannt. Augustus war der erste römische Kaiser, der nach
langen Bürgerkriegen den Frieden im Römischen Reich wiederherstellte.
Dieser Frieden wurde nach seinem Namen "Pax Augusta" genannt. Zwar waren
seine Kriege äußerst blutig, doch verbanden die Bürger der
Zeit die Herrschaftsperiode von Augustus mit Frieden, Wohlstand und Kultur.
Augustus, vor 31 v. Chr. noch als Oktavian bekannt, war ein Großneffe von Julius Caesar, der ihn letztendlich auch adoptiert hatte. Mit 16 Jahren wurde Oktavian von Caesar bereits in das Priesterkollegium des Pontifices erhoben, was für Oktavian eine hohe Rühmung bedeutete. 44 v. Chr. fiel Caesar in Rom einem Attentat zum Opfer, Oktavian nahm daraufhin den Namen Gaius Julius Caesar Oktavianus an. Mit seiner Gesinnung nach Rache waren zunächst seine vorrangigen Ziele, den Tod seines Adoptivvaters zu vergelten und wieder Frieden im vom Bürgerkrieg zerrissenen Rom herzustellen. Mit seinem ehemaligen Rivalen Marcus Antonius und dessen Gefährten Marcus Aemilius Lepidus , er schloss mit ihnen den Pakt "Das Zweite Triumvirat", tötete er die Mörder Caesars und deren Sympathisanten. Unter den Getöteten befanden sich 300 Senatoren und 200 Ritter, darunter auch Cicero. Nachdem dies geschehen war, teilten die drei sich das Römische Reich im Jahr 40 v. Chr. untereinander auf, wobei Oktavian den Großteil der westlichen Provinzen erhielt, Antonius die östlichen und Lepidus Afrika. Bereits zu dieser Zeit hatte Oktavian den Titel "Caesar" inne und bezeichnete sich als "Divi Filius" (lat.: Sohn des zu den Göttern Entrückten). Ab 29 v. Chr. regierte Oktavian im Römischen Reich als Alleinherrscher, Lepidus zwang er zur Machtaufgabe und Antonius besiegte er in der Seeschlacht von Aktium. Antonius lebte nämlich mit Kleopatra zusammen, er hatte für seine Kinder, die er mit Kleopatra hatte, Legate vorgesehen und wollte nach seinem Tod sogar nach Ägypten überführt werden. Oktavian machte Antonius Pläne publik und zog gemeinsam mit dem römischen Senat gegen ihn in den Krieg. Antonius und Kleopatra begingen Selbstmord. Doch mit seiner alleinigen Macht konnte er einzig und allein auf sich selbst gestellt nicht regieren. Eine freiwillige Beschränkung seiner Macht lag ihm zwar fern, doch durch die Ermordung Caesars, Oktavian betrachtete sie als Warnung, einigte er sich mit dem römischen Senat und gab seine Vollmachten, u. a. die als Pontifex Maximus (lat.: oberster Priester), die er nach dem Tod von Lepidus innehatte, zurück. Oktavian tat dies aber nur, um seine Vollmachten quasi gleich wieder zurückzubekommen. Ihm wurde mit der Zeit die Oberherrschaft von den militärisch wichtigsten Provinzen wie Spanien, Gallien und Syrien verliehen, zwischen 31 und 23 v. Chr. wurde er alljährlich zum Konsul ernannt.
Seit 27 v. Chr. trug Oktavian den Titel "Augustus" (lat.: der Erhabene), er bekam ihn mit zahlreichen weiteren Ämtern vom römischen Senat verliehen. Schließlich war er damit der mächtigste Mann des Staates. Augustus strebte trotz allem jedoch keine offizielle Monarchie an. Seine Herrschaftsform wurde als Prinzipat (lat. Princeps: der Erste) bezeichnet. Die Kennzeichen dafür waren, dass die republikanischen Einrichtungen weiterhin bestehen blieben. Außerdem förderte er talentierte Dichter und Geschichtsschreiber, errichtete in den römischen Provinzen aufwendige Tempel und öffentliche Gebäude, erließ strenge Luxus- und Ehegesetze und förderte die Wirtschaft, insbesondere die Landwirtschaft.
Zu seinem Augustus-Titel behielt er auch seinen Imperatorentitel bei. Die Senatoren brachte er dazu, seine beispiellos große Macht zu akzeptieren, und er lenkte ihren Ehrgeiz auf seine eigenen Ziele bzw. nur auf die Ziele, die seiner Politik nicht gefährlich werden konnten. 23 v. Chr. trat er vom Amt des Konsuln zurück, im Gegenzug verlieh ihm der Senat den Rang eines Tribunen auf Lebenszeit. Augustus erhielt somit das Recht, den Senat einzuberufen, der Volksversammlung Gesetze vorzuschlagen und gegen jeden Beschluss sein Veto einzulegen. Seine Position galt nun als "maius" (übergeordnet). Zu späterer Zeit, als Pest und Hungernot über Rom hereinbrach, bot das Volk Augustus an, Diktator zu werden und später wieder Konsul. Die Konsulatsbefugnis nahm er kurz darauf auch an. Ihren Höhepunkt hatte seine Herrschaft 2 v. Chr., als Augustus in Anerkennung seiner "wohltätigen Tyrannei" die neue Würde eines Pater Patriae (Vater des Vaterlandes) erhielt. In der gesamten Augusteischen Politik gab es keine einzige ernste Verschwörung, ein Zeichen seines Erfolges.
Wie bereits erwähnt galt der Wiederaufbau beziehungsweise die Restaurierung von Rom in seinen Bestrebungen eine entscheidende Rolle. Vor allem wurden bestehende Bauwerke restauriert, die während des Bürgerkriegs vernachlässigt worden waren. Hinzu kamen prunkvolle Neubauten, u. a. das Marcellus-Theater, den Apollotempel, das Horologium, das kreisförmige Mausoleum und das weitläufige Kaiserforum mit dem Tempel des Mars Ultor. Augustus kümmerte sich außerdem persönlich um die lebenswichtige Getreideversorgung der Stadt und ihre Neugliederung in 14 Verwaltungsbezirke. Nur einen Kaiserpalast ließ er nicht errichten. Augustus wollte vermeiden, dass die Monarchie unverblümt in Rom vom Äußerlichen her zu sehen war. Ebenso vermied er seine Kaiserverehrung. Er wehrte jeden kleinsten Versuch ab, ihn schon zu Lebzeiten göttliche Ehren zu erweisen, so wie es bei anderen Kaisern üblich war. Trotzdem behielt er seinen Titel "Imperator Divi Filius".
Die Herrschaftsideologie von Augustus war bei Historikern nicht eindeutig zu beurteilen. Manche kritisierten sein skrupelloses Machtbestreben, besonders in Bezug auf das Zweite Triumvirat, das Augustus nach Entledigung der Caesarmörder für seine eigene Macht "missbrauchte", andere hielten seine Herrscherqualitäten und seine Leistungen zur Stabilisierung des römischen Staates für anerkennenswert, darunter auch Tacitus. Mit Bezeichnungen wie "Schöpfer der bestmöglichen Verfassung" wurde er verehrt.
Augustus war der Letzte der übermächtigen Heerführer, er verkörperte zugleich das Ende der römischen Republik und den Beginn des Kaiserreiches. Nach Suetons Schilderung im "Leben des vergöttlichten Augustus XXVIII" hatte Augustus einst gesagt:
"Möge es mir vergönnt sein, die Republik auf gesunde und sichere Grundlagen zu stellen und dafür den Lohn zu empfangen, nach dem ich strebe; der Schöpfer der bestmöglichen Verfassung genannt zu werden und die Hoffnung mit ins Grab nehmen zu können, dass die von mir errichteten Fundamente des Staats nie wanken werden."
Thomas Frick
01.07.2000