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Die sieben mythischen Könige Roms
Die zeitliche Einordnung (Die Regierungszeit)
1. Romulus 753 v.Chr.-715 v.Chr. 2. Numa Pompilius 715 v.Chr.-673v.Chr. 3. Tullus Hostilius 673 v.Chr.-641 v.Chr. 4. Ancus Marcius 641 v.Chr.-616 v.Chr. 5. Lucius Tarquinus Priscus 616 v.Chr.-578 v.Chr. 6. Servius Tullius 578 v.Chr.-534 v.Chr. 7. Lucius Tarquinius Superbus 534 v.Chr.-510 v.Chr. (Die Frühgeschichte Roms entstammt von Sagen und Legenden und ist daher keine gesicherte Rekonstruktion der Vergangenheit)
1.1 Romulus' Herkunft und Verwandtschaft
Romulus und Remus, Zwillingssöhne vom Kriegsgott Mars und Rea (bzw. Reha) Silvia, sollen direkte Nachkommen des Aeneas und damit auch Nachkommen der Göttin Venus sein. Rea Silvia war die einzige Tochter des Königs von Alba Longa, einer nahe gelegenen Stadt im antiken Latium, namens Numitor. Numitors jüngerer Bruder Amulius entthronte diesen und wollte seine Tochter Rea zu einer "Vestalischen Jungfrau" machen, damit ihm keine anderen Nachkommen den Thron streitig machen konnten. Als sie jedoch Wasser an der Quelle des heiligen Haines von Mars schöpfte, machte er sie zur Mutter seiner beiden Zwillingssöhne. Daraufhin ließ Amulius sie einkerkern und befahl seinen Knechten, ihre beiden Söhne im Tiber zu ertränken. Seine Knechte jedoch hatten Mitleid mit den zwei Neugeborenen und ließen diese in ihrer Wiege auf einem Holzbrett auf dem Hochwasser führenden Fluss hinaustreiben. Als das Hochwasser wieder zurückging, blieb das Brett unter einer Feige am Ufer im Schlamm stecken. Die heiligen Tiere des Vaters Mars, eine Wölfin und ein Specht, kamen herbei und kümmerten sich um die beiden kleinen Verstoßenen. Deswegen heißt es in vielen Sagen, eine Wölfin hätte die beiden Brüder gesäugt: (siehe Photo 1.) Nachdem eine kurze Zeit vergangen war, wurden sie von dem königlichen Hirten Faustulus gefunden und mit seiner Frau Acca Larentia als ihre eigenen Söhne aufgenommen und erzogen. Als sie zu Jünglingen herangewachsen waren, gerieten sie in Streit mit Amulius. Sie hatten die Herden von Numitor überfallen und wurden deshalb bei den Lupercalia, eine Festlichkeit zu Ehren des Herdengottes Pan, in einen Hinterhalt gelockt. Remus wurde daraufhin gefangengenommen und König Amulius vorgeführt. Da der Diebstahl Numitor betraf, wurde Remus zur Bestrafung zu ihm geschickt. Nach einem Verhör fand Numitor heraus, dass Remus und Romulus seine verlorenen Enkel waren, wie Faustulus schon vorher vermutet hatte. Die Zwillinge organisierten einen Aufstand, töteten ihren Großonkel und setzten ihren Großvater wieder auf den Thron.
1.2 Der Streit um die Gründung einer neuen Stadt
Die Brüder planten, nicht auf Dauer unter der Regentschaft ihres Großvaters Numitor zu leben und deshalb eine eigene Stadt zu gründen. Als Gründungsstätte wählten sie den Ort, an dem sie als Neugeborene ausgesetzt worden waren. Letztendlich gerieten Romulus und Remus jedoch darüber in Streit, wer von beiden die Bauaufsicht von der geplanten Stadt übernehmen sollte. Es ging somit um den Titel des offiziellen Gründers der Stadt. Sie wollten ihren Streit durch einen Wettkampf beilegen und entschieden sich für den Wettkampf der Vogelschau, das heißt, sie beobachteten Vögel, in diesem Fall Geier. Gewonnen haben sollte derjenige, der die meiste Anzahl von diesen gesehen hatte. Romulus stand auf dem Hügel Palatin und zählte zwölf Geier, doppelt so viele wie sein Bruder Remus, der auf dem Hügel Aventin stand. Dadurch hatte Romulus das Recht erworben, die Aufsicht des Baus zu übernehmen. Remus aber gab sich damit nicht zufrieden und beharrte darauf, dass er die Vögel zuerst gesehen hätte. Romulus wich jedoch nicht von seinem Recht ab und markierte auf dem Palatin den Verlauf einer Stadtmauer. Am 21. April 753 v. Chr., am Tage der Parilia, dem Fest der Hirtengöttin Pales, begann er mit dem Bau. Sein Bruder Remus fühlte sich gekränkt und übersprang spöttisch die halbfertige Mauer, um zu demonstrieren, wie kümmerlich sie wäre. Zornig über diese Tat tötete Romulus Remus und sprach: "So soll jeder Feind verderben, der die Mauer meiner Stadt überquert!". Remus wurde auf dem Aventin beigesetzt, wo sogar sein Bruder um ihn trauerte. 1.3 Romulus' neue Stadt "Rom"
Seine neue Stadt diente vorerst als ein Zufluchtsort für Verbrecher und Flüchtlinge, wo die Zahl an Männern schon nach kurzer Zeit überragte. Benachbarte Völker waren von ihnen abgeneigt und hielten ihre Frauen und Töchter von dieser Stadt fern. Daraufhin fasste Romulus den Plan, die Sabiner und andere Nachbarvölker zu einem großen Fest, zur Consualia, einzuladen, damit diese seine neue Stadt besichtigen konnten. Unerwartet stürzten sich während des Festes die Römer auf die Frauen und Töchter und verjagten deren Männer. Diese Tat wird in der Geschichtsschreibung als "Raub der Sabinerinnen" bezeichnet. Die Sabiner bereiteten bald einen Rachefeldzug unter der Führung von ihrem König Titus Tatius vor und belagerten die Stadt. Sie griffen die Römer auf dem Feld unterhalb von den Hügeln Kapitol und Palatin an (das spätere forum romanum). Während der blutigen Schlacht warfen sich die sabinischen Frauen zwischen die Kämpfenden, da sie nicht wollten, dass ihre Ehemänner und ihre Väter sich abschlachteten. Auf diese Weise wurde der Krieg beendet, die Römer und Sabiner vereinigten sich zu einem Volk, kürten Rom zu ihrer Hauptstadt und unterwarfen sich einer Doppelherrschaft von Romulus und Titus Tatius.
1.4 "Ende" von Romulus
Nach vierzigjähriger friedlicher und fruchtbarer Herrschaft wurde Romulus zum Gott erhoben. Mit einer Gewitterwolke, die von seinem Vater Mars entsandt wurde, wurde Romulus umhüllt, als er auf dem Campus Martius (später Marsfeld genannt) seine Armee inspizierte. Durch sie stieg er in den Himmel. Er erschien eines Tages Iulius Proculus in übernatürlicher Form und ließ durch ihn verkünden, dass sich die Römer mit den Gebrauch von Waffen üben und ihn als Kriegsgott Quirinus verehren sollten. Nach ihm wurde der Quirinal, einer der sieben heiligen Hügel Roms, benannt.
2. Numa Pompilius
Numa Pompilius soll von sabinischer Abstammung sein. Er stellte einen kompletten Gegensatz zu seinem Vorgänger Romulus dar; er war friedfertig und nicht kriegsliebend. Daher und wegen seiner stark ausgeprägten Gottesfurcht machten ihn die Römer zum zweiten König. Er führte sehr viele religiöse Zeremonien ein, unter anderem den Januskult und das Einsetzen der Vestalinnen. Er heiratete später nach dem Tod seiner Frau Tatia seine Geliebte, die Wassergöttin Egeria, die in einem Hain am Capena-Tor lebte. Diese soll ihn in juristischen und religiösen Dingen unterrichtet haben. Nach Meinung späterer Geschichtsschreiber soll Numa mit seiner Weisheit Auswirkungen auf den griechischen Philosophen Pythagoras und dessen Lehren gehabt haben. In Numas Herrschaftszeit soll Jupiter einen heiligen achtförmigen Schild, das ancile, zum Schutze Roms vom Himmel gesandt haben. Numa ließ diese in elffacher Anfertigung im Königspalast, der Regia, aufstellen, die von Priestern, die Salier, bewacht wurden. Indem Numa Wein in Wasser mischte, soll er zwei Götter des Landlebens, Faunus und Picus, dazu gebracht haben, ihm einen Zauber zu geben, mit dem er Jupiter herbeiholen konnte. Numa konnte ihm die Menschenopferung durch eine List absprechen und hatte somit eine weitere Veränderung für sein Volk vollbracht.
3. Tullus Hostilius
Tullus Hostilius war der Enkel von Hostus Hostilius, der eine Schlacht gegen die Sabiner gewonnen haben soll. Nach dem Tod seines Vorgängers Numa wurde Tullus Hostilius zum dritten König Roms gewählt und regierte in gleicher Form gewalttätig wie Romulus. Er eroberte Alba Longa nach einem Kampf zwischen Horatiern und Curiatiern. Den albischen König Mettius Fufetius ließ er wegen Verrats zweiteilen. Dann zwang er die Einwohner Albas, nach Rom überzusiedeln und vergrößerte somit die Einwohnerzahl Roms um das Doppelte. Durch diese Tatsache angetrieben, erklärte Tullus den Sabinern den Krieg und trug einen entscheidenden Sieg davon. Nach 32jähriger Herrschaft erkrankte Tullus und wandte sich dem Okkultismus zu. Als er sich den Formeln des Numa zur Beschwörung des Jupiter Elicius bediente, um sich mit ihm zu versöhnen, wurde er von einem Blitz erschlagen.
4. Ancus Marcius
Ancus Marcius soll der Enkel von Numa Pompilius gewesen sein. Seine Regentschaft übte er nach seinem Großvater auf friedliche Weise aus. Trotz dessen besiegte Ancus Marcius angriffslustige Nachbarstämme aus dem Latium und siedelte sie auf den Aventin an. Zu seinen bedeutsamsten Veränderungen in Rom zählen der Bau der ersten hölzernen Brücke über den Tiber, die Besiedelung des Hafens von Ostia und die Ausdehnung der Stadtgrenzen.
5. Lucius Tarquinius Priscus
Lucius Tarquinius Priscus soll der Sohn eines korinthischen Flüchtlings sein, der sich in Tarquinii niedergelassen haben soll. Dieser soll ihm viele Reichtümer hinterlassen haben. Seine Mutter war eine Etruskerin, wie sein eigentlicher Name Lucumo (etruskisch: Fürst) zeigt. Obwohl er von seinem Volk als Fremdling verachtet wurde, heiratete er trotzdem eine Etruskerin. Sie, die ehrgeizige Tanaquil, überredet ihn erst, nach Rom überzusiedeln. Am Janiculus-Hügel am rechten Tiberufer angekommen, stahl ein Adler die Mütze des Lucumo und setzte sie ihm jedoch gleich wieder auf. Dieses deutete seine Gattin Tanaquil als königliches Vorzeichen. Darauf nannte er sich in Rom selber Lucius Tarquinius Priscus. Für den damaligen König Ancus Marcius waren die Dienste von ihm unentbehrlich. Als dieser starb, wurde Lucius Tarquinius Priscus zum König gewählt, obwohl Ancus Marcius selber zwei Söhne hatte. Er festigte seine Macht dadurch, dass er hundert seiner Anhänger in den Senat einschleuste. Zu seinen Errungenschaften zählen der Bau des Circus Maximus, der Bau einer Stadtmauer aus Stein, die Herrschaft über mehrere latinische Städte, der Sieg über die Sabiner, die Trockenlegung des Sumpfgebietes zwischen den Hügeln Palatin und Kapitol (wo später das forum romanum entstand) und die Errichtung des Tempels für den kapitolinischen Jupiter. Seine Herrschaft dauerte 38 Jahre lang. Er wurde ermordet von zwei Schafhirten, die im Auftrag der beiden Söhne von Ancus Marcius handelten. Sein Schwiegersohn Servius Tullius trat mit Hilfe von Tanaquil die Nachfolge an. Um zu verhindern, dass die Söhne von Ancus Marcius den Thron besteigen konnten, hielt sie die Nachricht vom Tod ihres Ehemannes solange geheim, bis die Nachfolge von Servius Tullius gefestigt war, die Mörder hingerichtet und die beiden Söhne verbannt wurden.
6. Servius Tullius
Servius Tullius war kein etruskischer Monarch wie sein Vorgänger. Von ihm gibt es sowohl eine etruskische als auch eine römische Legende. In der etruskischen Darstellung setzt Kaiser Claudius ihn mit Mastarna gleich. Die römische Darstellung besagt, dass am Hofe des Königs Tarquinius Priscus eine Sklavin namens Ocrisia lebte, die Servius Tullius zur Welt brachte. Sein Vater war der Gott Vulkan, der in Gestalt eines Phallus aus dem Herdfeuer gestiegen war. Die Göttlichkeit des Kindes wurde sichtbar, als man in der Wiege ein unschädliches Feuer um seinen Kopf sah. Tarquinius Priscus und Tanaquil, die das Omen gesehen hatten, beschlossen, das Kind als ihren eigenen Sohn aufzuziehen. Als er erwachsen war, verheirateten sie ihn mit ihrer leiblichen Tochter. Servius Tullius kam mit Hilfe seiner Schwiegermutter an den Thron (vgl.: Ancus Marcius). Zu seinen bedeutendsten Werken zählen der Sieg über die Veii in Etrurien, die Teilung der Bürgerschaft in Klassen und Centurien (die sich nach dem Eigentum richtete), die Erweiterung der Stadtgrenzen, der Bau der berühmten Servischen Mauer, die Einführung des Diana-Kultes und die Festigung seiner Herrschaft durch eine Volksabstimmung. Servius Tullius regierte 44 Jahre. Er wurde ermordet von einem der leiblichen Söhne des Lucius Tarquinius Priscus, von dem späteren Lucius Tarquinius Superbus, und dessen Gemahlin Tullia. Tullia war die Tochter von Servius Tullius. Sie stiftete Tarquinius Superbus an, seine bisherige Frau (Tullias Schwester) und von ihr selbst den bisherigen Gatten namens Arruns Tarquinius, Bruder des Tarquinius Superbus, zu ermorden. Tarquinius Superbus besetzte mit jungen Anhängern das Senatsgebäude und bestieg den königlichen Thron. Als Servius Tullius versuchte, dieses zu verhindern, wurde er von Lucius Tarquinius Superbus hinaus auf die Straße geworfen und von dessen Anhängern erstochen. Tullia überfuhr mit ihrem Wagen die Leiche ihres Vaters, als sie triumphierend durch Rom fuhr. Wegen seiner Herkunft hatte sie ihn schon ihr ganzes Leben lang verachtet. Tarquinius Superbus verhinderte ein rituelles Begräbnis und ließ die Anhänger des Servius Tullius umbringen.
7. Lucius Tarquinius Superbus Im Kontrast zu Servius Tullius war Lucius Tarquinius Superbus der leibliche Sohn des Lucius Tarquinius Priscus und damit der eigentliche Anwärter auf den Thron. Auf Anstiftung seiner Frau Tullia hin tötete er Servius Tullius (vgl.: Servius Tullius) und bestieg seinen Thron. Seinen Beinamen "Superbus" (lat.: der Hochmütige) gab er sich im Verlauf seiner Schreckensherrschaft. Er eignete sich das Vermögen und den Grundbesitz der Senatoren durch Lügen an. Tarquinius Superbus war ein ausgezeichneter Feldherr und eroberte selbst die lateinischen Staaten, die bis jetzt nicht unter dem Einfluss Roms standen. Zudem baute er den Tempel des Kapitolinischen Jupiter fertig und legte einen großen Entwässerungskanal, der in den Tiber führte, die cloaca maxima, auf dem Forum an. Tarquinius Superbus hatte einen Sohn namens Sextus Tarquinius. Durch ihn hatte er etliche Städte erobern können, indem er ihn in die jeweiligen Städte einschleuste. Später jedoch führte eine Schandtat von Sextus Tarquinius dazu, dass der Untergang der römischen Monarchie und die Schaffung der Republik beschleunigt wurden. Tarquinius Superbus floh daraufhin nach Caere und versuchte, die Etrusker von Veii und Tarquinii dazu zu bewegen, Rom anzugreifen. Superbus' Reichtum wurde unterdessen für das römische Volk zur freien Verfügung gestellt, da man es weder zurückgeben noch konfiszieren wollte. Veii und Tarquinii haben den Krieg gegen die Römer knapp verloren. Tarquinius Superbus suchte deshalb weitere Hilfe bei einem anderen etruskischen Stamm, der unter der Herrschaft von Lars Porsenna von Clusium stand. Dieser konnte ihm ebenfalls nicht zur Machtwiedergewinnung verhelfen, worauf Tarquinius Superbus sich nach Tusculum zurückzog. In einer weiteren Schlacht am Regillussee in Latium wurde er verwundet. Ein paar Jahre später soll er im kampanischen Cumae gestorben sein. Seine eigentliche Gewaltherrschaft überdauerte 24 Jahre. Seine Herrschaft bildete den Abschluss der sieben mythischen Könige Roms, und eine neue Ära konnte in Rom einsetzen. Ümit Ersözlü (03.04.00)
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