Marcus Salvius Otho
wurde am 28.04.32 n.Chr in Ferentinum als Sohn des L. Salvius Otho und der Albia Terentia geboren. Die antiken Quellen (Tacitus, Sueton und Plutarch) bezeichnen ihn als schon in der Kindheit leichtsinnig und verschwendungssüchtig, was sein Vater (= 55) durch strenge Erziehung zu ändern versuchte. Durch Neros Geliebte Acte lernte Otho den Kaiser kennen. Vielleicht auf Anstiften Neros, vielleicht aus Liebe entführte er 58 die verheiratete Poppäea Sabina (30/32-65) und ehelichte sie seinerseits. Nero, der ein Auge auf Poppäa geworfen hatte, schickte den unbequemen Otho noch im gleichen Jahr als Statthalter in die Provinz Lusitania, wo er sich bewährte. Otho schloß sich am 16.06.68 dem Aufstand des Galba gegen Kaiser Nero an. Mit Galba zog er nach Rom. Von T. Vinius gefördert, hoffte er auf eine Adoption durch den über siebzigjährigen Herrscher. Als dieser einen anderen zu seinem Nachfolger nominierte, zettelte er mit den über die Sparsamkeit Galbas enttäuschten Prätorianern eine Verschwörung an, ließ Galba ermorden und rief selbst zum Kaiser aus (15.01.69). Ab 30.01.69 war er mit seinem Bruder Salvius Otho Titianus cos.suff. Otho regierte mit Hilfe der Prätorianer im Stile Neros und brachte sich in den Gegensatz zum Senat. Er wurde nur in Italien, dem Balkan und im Orient anerkannt, während sich Germanien, Gallien und Britannien schon vor Galbas Tod für A. Vitellius, den Statthalter Niedergermaniens, ausgesprochen hatten (Proklamation am 10.01.69). Auf Othos Angebot einer gemeinsamen Herrschaft ging Vitellius nicht ein. Er schickte seine Feldherren A. Caecina Alienus und Fabius Valens nach Italien. Otho bot gegen diese u.a. die Prätoriamer, 2000 Gladiatoren und Flottensoldaten auf. Ohne Verstärkungen aus den Donauprovinzen abzuwarten, suchte er am 14.04. bei Betriacum die Entscheidung. Er unterlag gegen die Vitellianer nach wechselhaftem Kampf. Otho brachte sich daraufhin am 16.04.69 um.
Hauptquelle:
Der Kleine Pauly, Bd. 4, Sp. 381-382
Enno Schulz
06.01.2000