| Pompeji - Geschichte der Ausgrabungen
von Melanie Flohr (Pompeji 23.09.2001)
1. Einleitung
In Pompeji, der ca. 600 v. Chr. von den Oskern gegründeten Stadt in Süditalien, herrschte einmal reges Leben. Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten lebten hier glücklich miteinander. Pompeji war sowohl eine bekannte Handelsstadt als auch ein bevorzugter Erholungsort für reichere Römer (80 v. Chr. wurde Pompeji unter dem Diktator Lucius Cornelius eine römische Kolonie).
Im Jahr 63 n. Chr. trübte ein schweres Erdbeben die Stadt, doch niemand konnte damals ahnen, dass ihr und vielen dort lebenden Menschen schon 16 Jahre später, nämlich am 27.08.79 n. Chr., der Untergang durch einen später in die Geschichte eingegangenen Vesuvausbruch bevorstand.
2. Die ersten Jahre nach dem Vesuvausbruch 79 n. Chr.
Der Vesuvausbruch von 79 brachte Pompeji den Untergang. Viele Menschen haben es nicht mehr geschafft zu fliehen und mussten größtenteils unter der Asche des Ascheregens, der tagelang andauerte, ersticken oder sie wurden durch den Ausbruch einer Gaswolke vergiftet. Pompeji (und auch
Herculaneum) waren nach dem Vulkanausbruch wie vom Erdboden verschwunden. Man konnte nur an den aus der vier Meter hohen Ascheschicht herausragenden Säulen erahnen, was sich vorher dort einmal befunden hatte.
Als sich die Lage wieder stabilisiert hatte, kamen viele Überlebende wieder zurück und suchten systematisch nach religiösen Standbildern und Kultgegenständen, damit die Götter, die sie verehrt hatten, nicht aufgegeben werden würden und somit die Verehrung an anderen Orten fortgesetzt werden konnte. Es kamen auch reiche Hausbesitzer und Diebe an den Ort zurück, wo sich Pompeji einst befunden hatte, um nach Wertgegenständen zu suchen.
Die restlichen Dinge, die aus dem Boden hervorragten (Säulen, etc.), wurden eingeebnet. Mit der Zeit wuchsen Gras und Humus über der Ascheschicht. Die Bauern nannten das Gelände civitas und die ehemalige Stadt
civita. Es entstanden auch neue Siedlungen auf der Lava und der Asche und niemand dachte daran das verschwundene Pompeji auszugraben. Es geriet allmählich in Vergessenheit und die Menschen kehrten wieder zu ihren normalen Tagesabläufen zurück.
3. Suche nach verborgenen Schätzen
Etwa 1500 Jahre nach dem Vesuvausbruch von 79 n. Chr., im Jahr 1592, ließ der Graf Mutius Tuttavilla eine Wasserleitung von dem Fluss Sarno zu seiner Villa in die Küstenstadt Torre Annunziata legen. Dabei musste auch das Gebiet durchquert werden, in dem sich einmal Pompeji befunden hatte. Bei den Bauarbeiten zur Herstellung der Wasserleitung wurden Münzen, Marmortafeln, Mauerreste und andere Dinge gefunden. Man schenkte diesen Fundstücken jedoch keine weitere Beachtung, d. h. vieles davon nahmen die Arbeiter heimlich an sich, der Rest wurde liegengelassen.
Im Jahr 1607 meldete der neapolitanische Historiker Carpaccio einige Funde, mit denen er aber nichts anzufangen wusste. Auch mit gefundenen Inschriften, z.B. decurio
Pompejis konnte man nichts anfangen oder sie wurden falsch gedeutet (Villa des
Pompeius). 1631 kam es zu einem ähnlichen Vesuvausbruch wie 79 und dieser weckte bei den Menschen das Interesse für begrabene Städte. Man erinnerte sich wieder an Pompeji und einige Schriftsteller versuchten die Lage der einstigen Stadt zu beschreiben, was teils sehr ungenau geschah, teils wurde den Schriftstellern, die eine genaue Lagebeschreibung veröffentlichten, nicht geglaubt.
Bei einer Brunnenbohrung im Jahr 1689 wurden erneut verschiedene Gegenstände des verschütteten Pompejis ausgegraben, auch Inschriften mit
Pompejis, doch man glaubte erneut, man hätte die Villa des Pompeius entdeckt.
Anfang des 18. Jahrhunderts herrschte Österreich über Neapel bzw. über ganz Süditalien. Der Kavalleriegeneral Fürst d´Elboeuf hatte von den Fundstücken gehört. Er kaufte das Landstück und heuerte Ausgrabungstruppen an, die nach wertvollen Antiquitäten suchen sollten. Die gesamten Ausgrabungen verliefen planlos und ohne System. Einen seiner Funde, drei Marmorstatuen mit dem Namen "Die
Herculanerinnen", schickte er als Präsent an Prinz Eugen von Savoyen nach Wien. Diese Statue gelangte Jahre später von dort zum Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen und entfachte bei dessen Tochter Maria Amalia Christine Begeisterung. Diese wurde wenig später mit Karl IV. von Neapel verheiratet. Karl IV. von Neapel ließ auf Drängen von seiner Gemahlin hin erneut vor dem Vesuv nach antiken Kostbarkeiten graben. Diese Ausgrabungen begannen am 1. April 1748. Bald darauf merkte man, dass unter der Ascheschicht eine komplette Siedlung liegen musste.
Der Ingenieur Rocco de Alcubierre, der an diesen Ausgrabungen teilnahm, meinte die Villen von Stabiae entdeckt zu haben, die Plinius der Jüngere beschrieben hatte. Und auch noch viele Jahre später war Alcubierre der Überzeugung, Stabiae entdeckt zu haben, daher nannte er das Amphitheater "Teatro
Stabina". Da Stabiae für ihn nicht so sehr von Bedeutung war, er wusste ja nicht, dass er die ganze Zeit Pompeji ausgegraben hatte, wurde ihm die Arbeit überdrüssig und er wandte sich den Ausgrabungen in Herculaneum zu.
Im Jahr 1754 wurden die Ausgrabungen in Pompeji wieder aufgenommen und 1763 wurde ein Schild mit der Inschrift
"respublica Pompeianorum" gefunden. Ab diesem Zeitpunkt konnte man ohne Zweifel die vergrabene Stadt civita als Pompeji identifizieren. Auch der deutsche Archäologe Johann Joachim Winckelmann war in dieser Zeit an den Ausgrabungen beteiligt.
4. Systematische Ausgrabungen
Im Jahr 1860 (nach der Vertreibung der Bourbonen) begann die Zeit der wissenschaftlichen Ausgrabungen: Der Archäologe Giuseppe Fiorelle wurde zum Grabungsleiter ernannt. Er war der erste, der sich nicht in erster Linie für die antiken "Schätze" interessierte, sondern für die Stadt selbst und das einstige Leben der Menschen in ihr.
Fiorelle kam zu der Idee, Pompeji als Freilichtmuseum zu erschaffen bzw. zu erhalten und zwar für jeden Menschen und nicht nur für die reichen und gebildeten. Er stellte über 500 Arbeiter ein und ließ die Stadt systematisch, Haus für Haus, freilegen. Dabei stieß er auch auf Hohlräume, die durch die sterbenden bzw. toten Menschen entstanden waren. Diese ließ er mit Gips ausgießen. Die freigelegten Güsse zeigten Menschen und Tiere im Todeskampf.
Im Jahr 1912 wurde eine Straße mit mehreren Häusern mit Balkonen entdeckt, welche zu den Nuovi Scavi zählen, den neuen Ausgrabungen. Im zweiten Weltkrieg wurden einige der Ruinen durch Bomben schwer beschädigt und mussten wieder restauriert werden.
Auch heute kommt es noch ständig zu weiteren Ausgrabungen an den noch nicht freigelegten letzten Vierteln der Stadt, wobei sich ein großer Teil davon unter den Erdmassen von früheren Ausgrabungen befindet.
Die antiken Funde sind größtenteils noch sehr gut erhalten, da die Vulkanasche als eine Art Schutzschicht fungierte. Es sind jedoch nur wenig wirklich wertvolle Gegenstände zu finden, da zum einen die Fliehenden ihr Hab und Gut mitgenommen haben, zum anderen die Gegenstände schon von Dieben oder bei früheren Ausgrabungen entwendet wurden. Die meisten erhaltenen Funde befinden sich heute im Nationalmuseum in Neapel.
Quellen: - Deissinger, Ernst: Das Tor zur Hölle - mitten im Paradies.
In: P.M. History 01/001, 6-15
- Encarta 99
- Etienne, Robert: Pompeji. Das Leben in einer antiken Stadt.
Stuttgart 1991.
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