Triumphzüge und Bögen im alten Rom

Triumphzug des Titus

Triumph der Kaiser Vespasian und Titus nach dem Jüdischen Krieg

- Relief vom Titusbogen - Quelle

Die Triumphzüge sind etruskischer Herkunft, es handelte sich dabei ursprünglich um eine religiöse Zeremonie zur Ehrung des Gottervaters Jupiter. Die Art der Ehrung ist zu vergleichen mit den Olympischen Spielen, die in Griechenland für Zeus abgehalten wurden, nur dass es sich dabei um einen sportlichen Wettkampi zu ehren des Gottervaters handelte.

Ein Triumphzug wurde meist nach erfolgreichen Kriegszugen abgehalten. Bevor der Krieg jedoch uberhaupt begonnen werden durfte, musste mit Hilfe der Priester anhand der Beobachtung des Fluges der Vögel und Hühnern die Meinung der Götter erkundet werden, ob der Krieg gerecht sei (auspicium genannt). Ein Triumph wurde nur gewahrt, wenn der Sieg in einem "bellum iustum" (gerechten Krieg) errungen worden war. Waren zwei Konsuln gemeinsam in einem Krieg erfolgreich, wurde nur dem ein Triumphzug gewährt, der das auspicium innehatte. Der Marsch des gesamten Heeres ging vom Marsfeld zum Kapitol. Der Triumphator fuhren, als Inkarnation Jupiters, geschmuckt mit Purpurgewand, Lorbeeren, Zepter und Krone, auf einem mit vier weißen Rossen gespannten Wagen. AIs Voraussetzung musste eine Schlacht stattgefunden haben, bei der mindestens fünftausend Feinde gefallen waren. Zunächst war der Zug durch die Stadt nicht nur als Triumphzug gemeint. Auch nach einer verlorenen Schlacht musste das geschlagene Heer durch den Bogen ziehen, um sich vom Unsegen des Krieges zu reinigen.

Der Triumphzug durfte jedoch nur von einem Diktator, einem Konsul oder eine Praetor abgehalten werden. Spater, in der Kaiserzeit, lediglich noch vom herrschende Kaiser. Bis in die siebziger Jahre des l. Jh. n. Chr. wurde er jedoch auch manchmal einem Prinzen oder besonders erfoigreichen Feldherren gestattet.

Für den Triumphator wurde außerdem meist ein Triumphbogen errichtet. Doch nicht nur für erfolgreiche Kriegszüge wurden Triumphbagen erbaut, sondern auch bestimmte Taten oder Ereignisse zu Gedenken. Auf dem Forum Romanum stehen einzig Triumphbogen, die in Zusammenhang mit einem militarischen Erfolg stehen. Der älteste von ihnen ist der Fornix Fabianus. Er wurde von Quintus Fabius Maximus erbaut, als er im Jahr 121 v. Chr. in Gallien die Allobroger besiegt hatte. Einige andere berühmte eintorige Triumphbogen sind z.B. der in Rimini (errichtet 27v. Chr.), Susa (8v. Chr.), der Sergierbogen in Pola (9n. Chr.) und der Titusbogen in Rom. Es gab jedoch auch mehrtorige Triumphbogen, so z. B. der dreitorige Bogen des Augustus (17v. Chr.). Dieser wurde aus dem Anlass der Wiedererlangung der römischen Feldzeichen errichtet, die im Partherkrieg des Crassus verloren gegangen waren. Die meisten aller Triumphbögen sind heute jedoch nicht mehr oder nur noch kaum erhalten.

Ablauf

1. Voraushandlungen

Das vom Krieg wiederkehrende Heer musste vor dem Betreten Roms zunächst vor dem pomerium ausharren, während der Feldherr mit dem Senat verhandelte.

Rom war von einer Grenzlinie, dem pomerium, umgeben. Sie trennte die Bereiche Zivilverwaltung und Militärgewalt. Oberbeamte, die in ihre Provinz aufbrachen, mussten am pomerium beispielsweise ihre Toga mit dem Kriegsmantel tauschen. So wurden auch die Soldaten beim Überschreiten dieser Grenze wieder zu Zivilisten und mussten, wenn sie einen Triumphzug veranstalten wollten, bis zur Bewilligung einer Sondergenehmigung durch den Senat am pomerium warten. Die Verhandlungen bezogen sich nicht nur auf den juristischen und religiösen Aspekt, auch die Geldmittel spielten eine Rolle. Normalerweise wurde ein Triumphzug aus der Staatskasse finanziert, es geschah jedoch auch, dass der Triumphator den Zug mit eigenem Geld oder aus der aktuellen Kriegsbeute bezahlte. Bei Verweigerung des Senats konnte der Triumphzug auf eigene Kosten außerhalb Roms abgehalten werden. Seit 231 v.Chr. fanden diese auf dem Albanerberg statt, der südöstlich Roms liegt.

Wurde der triumphus jedoch bewilligt, konnte schon wenige Tage später begonnen werden.

Flaviertriumph

Eine moderne Rekonstruktion des Triumphzuges der beiden Kaiser

Quelle: Bildersammlung "Rom lebt"

2. Route

Der Triumphzug dauerte anfänglich einen Tag. Er begann mit Einbruch des Tageslichts und endete am späten Nachmittag. Später zogen sich die Züge über zwei oder sogar drei Tage hin. Das Übertreten des pomeriums wurde mit dem Durchschreiten der porta triumphalis, einem Triumphtor, vollzogen. Von dort aus brachte man zunächst nahe gelegenen Kultstätten Opfer dar. Der Zug bewegte sich dann über das Forum Boarium zum Circus Maximus und am Palatin vorbei zur Ostseite des Forum Romanum. Dieses wurde auf der Via Sacra durchquert, damit man zum Capitol mit dem Jupitertempel hinaufsteigen konnte.

Bevor der Aufstieg jedoch beginnen konnte, wurden die Kriegsgefangenen in den Carcer geführt. Erst wenn ihre Hinrichtung gemeldet wurde, konnten die Feiern anfangen.

Im Jupitertempel übergab der Triumphator seinen Lorbeerkranz dem Gott, es folgten Opfer und Dankesgebete.

Nicht alle Festwagen folgten dem Zug bis zum Capitol, da dessen Zugang, der clivus Capitolinus, eine Steigung von 12-13% aufwies. Nach diesem langsamsten Abschnitt richtete sich natürlich auch die Geschwindigkeit des gesamten Zuges, so dass nur langsames Schritttempo von ca. 1 km/h erreicht wurde und zwischendurch angehalten werden musste. Dies bot dem Publikum die Gelegenheit, alle Festwagen genauer zu betrachten.

Die Weg hatte insgesamt eine Länge von nur ca. 3,5 Kilometern.

3. Aufbau des Zuges

Die Spitze des Triumphzuges bildete eine Gruppe von Männern, die große Bilder von den eroberten Städten und Kriegsszenen, die oftmals erst kurz davor erstellt wurden, sowie Geschenke an den Triumphator trugen. Es folgten die Opfertiere für Jupiter, die im Capitol geschlachtet wurden; ihre Innereien (Herz, Leber, Lunge, Gallenblase) wurden verbrannt.

Lictoren (öffentliche Diener der höheren Magistrate) gingen mit Lorbeerkränzen geschmückt vor den Beamten und dem Senat, um Platz zu schaffen. Mit einigem Abstand folgten die Geiseln und Kriegsgefangenen, die schwere Ketten mit sich tragen mussten.

Den Höhepunkt des Zuges bildete der currus triumphalis, auf dem der Triumphator stehend fuhr. Er trug die Kleidung Jupiters. Damit sollte dargestellt werden, dass er nur der Repräsentant seines Gottes sei und eigentlich dieser den Sieg errungen habe.

Ein Sklave stand hinter ihm, der ihm ständig zusprach: "Bedenke, dass du nur ein Mensch bist!" Dies sollte den Feldherrn vor Hochmut bewahren.

Die Triumphwagen waren aufgrund der eiligen Herstellung technisch meist nicht ausgereift, so dass auch häufiger Unfälle geschahen. So fiel beispielsweise im Jahre 500 v.Chr. der Imperator Manius Tullus Longus aus dem Wagen, nachdem dieser durch ein Schlagloch gefahren war, brach sich das Genick und starb.

Den Schluss des Zuges bildeten die Soldaten, die neben den Worten "io triumphe" auch Lob- und Spottlieder auf den Triumphator sangen.

Triumphbogen des Kaisers Septimius Severus (193-211)

(Quelle: Ianua Nova I)

4. Zuschauer

Die größte Zahl der Zuschauer stand direkt am Zugweg, eine große Menge bekam jedoch auch einen Sitzplatz, da Tribünen errichtet wurden und der Weg des Triumphzuges durch den circus maximus verlief. Auch das Volk rief den Soldaten immer wieder "io triumphe" zu, was diese erwiderten. Für die Einwohner Roms war ein Triumphzug ein Spektakel, dass man nicht verpassen wollte, und so sammelten sich entsprechend viele Zuschauer. Allein Kranke und Kleinkinder blieben zu Hause, ebenso durften Sklaven ihren Arbeitsplatz nicht verlassen. Dafür erschienen sehr viele Schaulustige aus der näheren Umgebung nach Rom, da der Termin für einen triumphus rechtzeitig bekanntgegeben wurde. Insgesamt war mit einer Zuschauerzahl von 100.000 bis 200.000 Menschen zu rechnen.

 Julian Horstmann und André von Zobeltitz (26.03./24.05.2000)