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Portraits der ersten drei Stoiker Zenon von Kition, Kleanthes und Chrysipp
Allgemeines zur Stoa Die Stoa ist neben Skepsis und Epikureismus die dritte wichtige Philosphenschule der hellenistischen Epoche. Sie hat bis weit in die Kaiserzeit hinein gewirkt. Der Name "Stoa" entstammt der Säulenhalle (stoa poikile) am Marktplatz von Athen, in welcher die Treffen der neuen Philosophie regelmäßig stattfanden (Diese Säulenhalle wurde vor einigen Jahren wiederaufgebaut - Foto). Zenon von Kition gilt als Gründer der Gründer dieser Philosophenschule. Er lebte etwa eine Generation nach Aristoteles. Chrysipp und Kleanthes waren seine Schüler. Obwohl gerade Chrysipp sehr viel geschrieben haben soll (700 Schriften, davon 311 zur Logik), ist aus der ganzen älteren Stoa bis auf den Zeus-Hymnos von Kleanthes kein vollständiger Text vorhanden. Die ältere Stoa ist also ausschließlich aus wörtlichen Zitaten oder Referaten von späteren, der Stoa nicht immer freundlich gesonnenen, antiken Autoren. Über Zenon weiß man vor allem aus den Berichten des Diogenes Laertius, der das erste Werk über die Philosophiegeschichte schrieb ("Über Leben und Meinungen der berühmten Philosophen"). Das Leben des Zenon:
Zenons Charakter Zu Zenons strenger Philosophie der Pflicht passte sein Aussehen. Er wirkte streng und herb. Von Zeitgenossen wird er als hager und groß beschrieben, zwar mit dicken Waden ausgestattet, aber sonst eher schwächlich als von kräftigem Körperbau. Zenon wird als ernster Geist beschrieben, in dessen Auftreten etwas Finsteres stecke, was jedoch nicht auf seelische Grobheit zurückzuführen war. Der zartbesaitete Philosoph war anscheinend so schüchtern, dass er große Menschenansammlungen, besonders, wenn sie wegen ihm versammelt waren, meiden ließ. Seine Tugend erlaubte es ihm nur ein- oder zweimal mit Freudenmädchen zu verkehren, und dieses nur, um bei seinen Kritikern nicht als "Weiberfeind" verschrien zu werden. Zenon bevorzugte gewöhnliche Speisen und Getränke. Vor Gastmahlen habe er sich tunlichst gedrückt. Weil auch seine Kleidung sehr ärmlich wirkte, ging schließlich sogar die Redensart "enthaltsamer als der Philosoph Zenon" um. Kleanthes
Chrysipp
Die stoische Philosophie Grundvoraussetzungen Zenon ging es weniger um die reine philosophische Erkenntnis als darum, die rechte Stellung des Menschen, insbesondere des Philosophen, in einer immer fragwürdiger werdenden Welt (bzw. Gesellschaft) zu finden. Sie ist die "Kunst der Lebensführung". Zenon ist ein absoluter Gegner des Epikur. Er betrachtet die Lust, in der Epikur das höchste Glück zu erblicken meint, als verdächtig. Er nennt sie die "Verführerin so mancher jugendlichen Seele zur Weichlichkeit". An ihre Stelle tritt für ihn die Pflicht. Diese zu erfüllen heißt aber, der göttlichen Stimme im Innern zu gehorchen. Der Sinn des Lebens Den Sinn des Lebens nannte Zenon "angemessen leben". Damit ist die Übereinstimmung mit sich selbst gemeint, da die "widerstreitend Lebenden" unglücklich sind. Auf die Frage, wie ein Mensch zur Übereinstimmung mit sich selbst kommt, antwortete Zenon: "Indem er der Natur angemessen lebt". Dieses drückte Chrysipp noch klarer aus: "Leben nach der Erfahrung dessen, was naturgemäß zusammenkommt."(Stobäus) Wer nun in Übereinstimmung mit sich selbst lebt und so die Natur in seinem Innern verwirklicht, der handelt zugleich in Übereinstimmung mit den Gesetzen des Kosmos. Für die Selbsterkenntnis des Menschen liegt den Stoikern viel daran, die Natur zu verstehen. "Zu keinem anderen Zwecke ist es nötig, Naturerkenntnis zu betreiben, als zur Scheidung des Guten und des Schlechten." Was gut und was schlecht ist, definieren die Stoiker folgendermaßen: "Die Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mut, Mäßigung usw. sind gut. Die Gegenteile davon Torheit, Ungerechtigkeit usw. sind schlecht. Alles, was weder nützt noch schadet, ist keins von beidem: z.B. Leben, Gesundheit, Reichtum, edle Herkunft, (...), aber auch ihre Gegenteile: Tod, Krankheit, Armut und niedere Herkunft. Zu nützen und nicht zu schaden, das gehört zum Guten. Aber Reichtum und Gesundheit nützen nicht mehr als sie schaden. Deshalb sind Reichtum und Gesundheit keine Güter. Außerdem sagen sie: Das, was gut und schlecht gebraucht werden kann, ist nichts Gutes. Aber Reichtum und Gesundheit können gut und schlecht gebraucht werden. Deshalb sind Reichtum und Gesundheit keine Güter." Das Gottesbild der Stoiker Stoiker behaupten, dass Feuer, Lebenshauch , aber auch Geist, Vernunft und Schicksal ein einziges mächtiges Naturprinzip sind. Dieses Naturprinzip bezeichnen sie als "Gottheit" und identifizieren es mit dem höchsten Gott. "Eins ist Gott und der Geist und das Schicksal und Zeus, und es gibt noch viele andere Namen." "Gott ist ein unsterbliches, mit Vernunft und Geist begabtes Lebewesen, vollkommen in seiner Glückseligkeit, unzugänglich für alles Schlechte, vorsorgend für die Welt und was in der Welt ist." Dieses bedeutet aber, dass die Götter nicht in einer anderen Welt leben, von der sie keinen Einfluss auf unsere Welt haben (Epikur), sondern allgegenwärtig und wirksam sind. "Gott ist in die Welt einbegriffen, er ist ihre Seele." Die Natur ist die innere Göttlichkeit im Menschen. Aus der Natur des Alls stammt auch die des Menschen. Dazu sagt Kleanthes im Blick auf den Gott: "Wir sind deines Geschlechts."(Parallele zum Christentum, von Paulus zitiert) Durch seine Vernunft ist der Mensch mit Gott verwandt. Er muss die Vernunft in sich selber wecken, da in dieser das wahre Wesen des Menschen beschlossen ist. Durch sie kann der Mensch erkennen, was wahr und was falsch ist. Frei zu sein definiert der Stoiker folgendermaßen: "Frei ist nur der Mensch, der innerlich frei ist und nur das tut, was seine Vernunft wählt." Also muss der Mensch nur auf seine Vernunft hören. Denn es gibt ein Sittengesetz als das Gebot der höchsten Vernunft, das befiehlt, was zu tun und verbietet, was zu lassen ist. Es befiehlt dem Menschen unter anderem, sich nicht seinen Leidenschaften zu beugen, denn "die Affekte hindern uns am vernunftgemäßen Handeln und stören die Harmonie der Seele", sie sind die "Krankheiten der Seele". Das Lebensideal der Stoiker ist daher die Leidenschaftslosigkeit und die Unerschütterlichkeit gerade gegenüber Schlägen des Schicksals. Auch heute spricht man in diesem Fall noch von einer "stoischen Haltung" oder "stoischen Ruhe". Der größte Verdienst Zenons war es aber sicherlich, den Gedanken der Pflicht im öffentlichen Dienst geltend zu machen. Damit ist gemeint, dass der Mensch sich den Öffentlichen Aufgaben stellen muss, und sich nicht in die Einsamkeit zurückziehen soll, da er von Natur gesellig ist. "Wir sind von Natur aus zum Zusammenschluss, zur Vereinigung und zur Staatenbildung veranlagt." Hieraus entwickelte sich eine allgemeine Menschenliebe, "eine naturhafte Zuneigung, die alle Menschen als Menschen miteinander verbindet". Elke Süske 13.04.2000
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